Südtirol - fast privat!

Südtirol - fast privat!

Dieses Mal war es wie verhext. Das Pflichtprogramm in den Dolomiten, die Sella Ronda, jeder Tourenfahrer kennt sie, wollte heute Morgen einfach nicht gefallen. Autos, Fahrräder, Busse, LKWs, wir Biker und nicht zuletzt motorisierte Zweizimmerwohnungen, alle hatten zur gleichen Zeit die gleiche Idee, einmal rund um die Südtiroler Alpenlegende.

Zwei Vorschläge

Einzig Hannibals Elefanten fehlten noch, mich hätte es nicht mehr gewundert. Am Grödner Joch noch eine kurze Info von einem Kollegen aus der Gegenrichtung: “Sieht hier heute überall so aus, kannste völlig vergessen“ und der Entschluss war klar, die Flucht in ruhigere Gefilde. Wie leicht es ist, attraktive Alternativen zu befahren, möchten wir Euch anhand von zwei Tourenvorschlägen zeigen.

Tour 1: Einkaufsbummel mit Kurvenspass

Also zurück nach Corvara, von da nördlich ins Gadertal und bei St. Martin der Toureinstieg links ab zum Würzjoch Richtung Brixen. Heute morgen bin ich hier schon, vom Hotel Condor in St. Vigil kommend, vorbeigefahren und da will ich am Abend auch wieder hin. Doch jetzt führt die Straße zunächst einmal “verkehrsberuhigt“, gut ausgebaut und sehr übersichtlich in weiten Bögen und Kehren, wie mit dem Zirkel gezogen nach Untermoi und weiter etwas enger bis zur Passhöhe. Nach diesem Befreiungsturn ist nun der erste Espresso hier oben in der Würzjochhütte am Fuße des imposanten Peitlerkofels faktisch unumgänglich. Beim Gaumengenuss nimmt dann die weitere Tourenplanung Gestalt an.

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Vom Parkplatz weg geht es zuerst weiter Richtung Brixen und nach rund zwei Kilometern rechts ab über die sehr schmale Lasankenbachstraße, immer am Wasserlauf entlang, Richtung Lüsen. Am Ende der Abfahrt durch eine traumhafte Landschaft liegt Lüsen, ein typisches Südtiroler Bergdorf am Hang, etwas oberhalb der Talsohle. Die Headline für den folgenden Abschnitt runter nach Brixen heißt Speedcruising mit Schräglagen. Der stete Wechsel von engeren und weiteren Radien bietet reichlich Gelegenheit die Unterseite der Fußrasten zu polieren. Kurz vor Brixen läuten dann vier perfekte Kehren den Gong zur letzten Runde ein und schon ist man in der Stadt angekommen. Brixen hat, neben dem Dom mit Vorplatz, vor allem im angrenzenden historischen Stadtkern unter den Arkaden hervorragende Einkaufsmöglichkeiten. Wer also beim Packen zuhause etwas vergessen hat, oder die/den Liebsten ebendort nicht vergessen will, hat reichlich Gelegenheit, das hier zu lösen. In den zahlreichen Cafes, Eisdielen und Restaurants ist auch eine persönliche Stärkung jederzeit möglich.

Nach dem Bummel führt die Tour über St. Andrä wieder Richtung Würzjoch und kurz vor der Passhöhe rechts ab ins Villnößtal. Ein Abschnitt, der alle Bikergene wach hält. Fahrspaß und Aussicht sind einfach umwerfend. Wer möchte, hat am Abzweig nach Villnöß noch die Möglichkeit, ca. 1 km weiter in Richtung Würzjoch der Halslhütte einen Besuch abzustatten. Hier in der frischen Luft hat eine Portion Tiroler Speck mit Schüttelbrot fast schon Gourmetcharakter. Unten dann im Villnößtal fährt man rechts ab und kurz nach dem Ortsende von Gufidaun/Gudon etwas knifflig links auf einen kleinen Weg Richtung Lajen. Spätestens hier ist man dann wirklich allein unterwegs. Mit imposanten Ausblicken geht es über Lajen und St. Pietro weiter auf die Straße ins Grödnertal und wieder zur Sella Gruppe.

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Und jetzt kommt es: Was am Vormittag, wegen hohen Verkehrsaufkommens noch unmöglich schien, ist um diese Uhrzeit gar kein Problem mehr. Die Touris sind entweder schon weitergefahren, oder bevölkern zahlreich die Gastronomie. Die Straße jedenfalls ist frei. Und so kann dann, je nach Uhrzeit, jeder selbst entscheiden, ob man die Rundtour länger über Sellajoch, Passo Pordoi und Campolongo, oder direkt übers Grödner Joch beendet.

Als Fazit bleibt: Mehr Fahrspaß, mehr Strecke und doch noch Sellaronda.

Tour 2: Karnische Alpen - Mann, sind das Kurven!

Für den zweiten Tourentipp sollte man von St Vigil aus recht zeitig am Morgen starten. Rund 330 faszinierende Kilometer warten auf uns, Unterwegs gibt es zusätzlich noch viele sehenswerte Haltepunkte, dass so ein Tag ganz schön kurz werden kann. Sozusagen als zweites Frühstück fahren wir zunächst über den Furkelsattel am Skidorado Kronplatz vorbei nach Olang im Pustertal. Die viel befahrene Hauptverbindung nach Osttirol ist mittlerweile so gut ausgebaut, dass man ratzfatz in Innichen rechts ab die Auffahrt zum Kreuzbergsattel vor sich hat. Über Sexten geht es entspannt zur Passhöhe.

Bei Comelico verlassen wir die kurvige Abfahrt, um über den Passo S. Antonio Auronzo di Cadore zu erreichen. Diese 8 Kilometer Straße sind ein kurventechnisches Sahnehäubchen. Weiter geht es auf der SS 52 und bei Vigo di Cadore links ab für das nächste Fahrvergnügen, mit dem Ziel Comeglians. Zwei kleine, aber feine Pässchen und das märchenhafte Pesarinatal wollen befahren werden. Völlig entspannt genießen wir am Sella Ciampigotto, freundlichst bedient, einen Espresso. Hier oben ist man wirklich ganz alleine unterwegs. Die kurvenreiche Strecke bietet vor Allem auch eine wunderschöne Landschaft.

Am Ende des Tals steigen wir bei Ovaro in das -ganz sicher- einsamste Teilstück der Tour ein. Ein Schilderwald mit nicht weniger, als 10 Verkehrszeichen kündigt die wunderbar verzwackte Streckenführung an. Mit kurzen Worten, der Passo Zoncolan ist einfach geil. Unterwegs durchfahren wir zwei schmale Tunnel, bei deren Anblick der eine oder andere Gold Winger vor der Passage zur Sicherheit bestimmt schon mal den Zollstock ausgepackt hat. Auf der Passhöhe führt die Straße, vorbei an einem riesigen Wintersportparkplatz, ebenfalls kurvenreich hinunter bis Paluzza.

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Über den Plöckenpass fahren wir nun nach Österreich und bei einer herzhaften Pause im Gasthof Engl in Kötschach-Mauthen tanken wir die Energie für den nächsten Streckenabschnitt. Das Lesachtal will nun befahren werden und die anstehenden 55 km sind mit fast jeder möglichen Kurvenvariation versehen, die der Straßenbau so allgemein hergibt. Das Lächeln des Fahrers ist selbst durch Visier und Helmschale gut zu erkennen und am Ende im Pustertal angekommen, glaubt man, dass auch das Bike ein wenig lächelt.

Die Rückfahrt bis nach Olang ist dann notwendige Pflicht, um zum Abschluss dem Furkelsattel bis zum Hotel Condor noch einmal die Ehre zu geben. Wer noch Zeit hat, dem sei ein Abstecher ins Pragser Tal empfohlen. Die Auffahrt zur Plätzwiese, ähnlich wie die Seiser Alm eine Hochalm, nur halt ohne Touristenmassen, belohnt nach reichlich Kurven mit einer göttlichen Aussicht. Ab 16:00 Uhr ist die Strecke freigegeben. Eine Kaffeepause hier oben im Hotel Plätzwiese ist Romantik pur und ein krönender Abschluss für diese Traumtour.

Unsere beiden Vorschläge zur Verringerung der punktuellen Verkehrsdichte in der Region Südtirol lassen sich in alle Himmelsrichtungen beliebig erweitern. In diesem Sinne sei jeder aufgefordert, auch einmal selbst die individuelle Lieblingstour zu erkunden. Zur Unterstützung bei der Planung findet Ihr auf unserer Website und bei unseren Hotelpartnern viele gute Tipps und Vorschläge. Viel Spaß bei Eurer ganz privaten Runde.

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Text und Fotos: Peter Wahl

Südtirol Tagestour Ultental ab Tramin an der Weinstraße

Motorradtour Südtirol 

Südtirol westlicher Teil 
 
Südtirol - Dolomiten