Garmisch Patenkirchen

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Einmal Garmisch und zurück

Motorradfahrer sind hoffnungslose Optimisten. Selbst bei angekündigten Schauern und Unwettern geht der Tourenfahrer davon aus, trocken und warm sein Ziel zu erreichen. Wurde er dann doch einmal so richtig kräftig durchs Nass gezogen, sind alle Strapazen der Tour schnell vergessen, wenn er nur trocken und zufrieden am Ziel ankommt. Bei unserer Reise zum BMW-Treffen in Garmisch konnten wir dieses Bikerpsychogramm wieder einmal eindrucksvoll bestätigen.

Heißes Wetter, kühles Bier

Das Thermometer zeigte knapp über 30 Grad und die drückende Schwüle forderte bereits zur Mittagspause eine Flüssigkeitsnachfüllung in Form von 2 alkoholfreien Weizenbieren. Wir saßen in Zwingenberg am Neckar in einem schönen Biergarten und verspeisten zum kühlen Bier das Tagesangebot in Form von Kotelett mit Kartoffelsalat für schlappe 5,80 Euro. Vor 2 Stunden waren wir  in der Nähe von Frankfurt gestartet und hatten dem Odenwald bereits so manche Kurve abgetrotzt, immer auf der Suche nach Waldstrecken, um der sengenden Sonne zu entgehen.

Motorrad statt Viagra

Unseren Mittagsstopp hatten wir gewählt, weil auf dem Gästeparkplatz eine seltsame Mischung von Zweirädern in trauter Gemeinsamkeit miteinander parkte. Eine Goldwing, ein Piaggio-Roller, ein japanischer Sportler und eine kleine Harley ließen auf eine lustige Truppe schließen. Schnell erkannten wir die Clique an den Lederjacken über den Gartenstühlen und stellten erstaunt fest, dass scheinbar kaum einer aus der Truppe unter 70 war. Dass es im Alter  auch andere Themen als Prostataleiden und Rentenkürzung gibt, machten sie dann später bei unserer Verabschiedung deutlich. „Die Frau kannst Du ruhig hier lassen“ wurde hinter uns her gescherzt, und ich hatte das Gefühl, dass ein Bike unterm Hintern Viagra überflüssig macht.

Das Ziel unserer ersten Tagesetappe hieß Ulm - bis dahin hatten wir jedoch noch rund 200 Kilometer zurückzulegen. Beim Durchqueren des Schwäbischen Waldes wurde uns durch das Aufziehen von sehr dunklen Wolken bewusst, dass wir bis jetzt Riesenglück gehabt hatten und wir den Bikes doch etwas die Sporen geben sollten. Als wir am frühen Abend beim Motor-Bike-Hotel „Landhof Meinl“ in Neu-Ulm einfuhren waren wir nicht nur trocken geblieben, sondern hatten sogar das Glück, einen dieser tollen Abende zu erleben, an denen man es bis spät in die Nacht draußen aushalten kann. Zur hervorragenden Stimmung trugen wie immer Gerda und Willi Meinl bei, deren Hotel wir seit Jahren gerne als Übernachtungsziel wählen.  

Trocken oder nicht?

Ein kurzer Anruf bei unseren Jungs vom MSD-Team, die den Stand in Garmisch beim BMW-Meeting betreuten, ließ rein wettertechnisch nicht allzu viel Optimismus für den nächsten Tag zu. Dort waren beim Zeltaufbau mehrere Schauer heruntergegangen und ein sonniger Freitag zum Start des Treffens war nicht zu erwarten. Aber wen juckt das, wenn bei herrlicher Abendsonne der Wein fließt und der nächste Tag noch so weit entfernt ist. Rund 120km betrug die Entfernung nach Garmisch, die wir nach der Verabschiedung von den Meinls bewältigen wollten. Unser Optimismus schien sich auszuzahlen. Das Wetter war in Ordnung und wir freuten uns schon mächtig auf das Treffen von Gummikuh & Co. Weißenhorn, Krumbach, Kammlach, schon mal gehört? Spektakulär unspektakulär. Deutschland von seiner schönsten Seite im Schnittpunkt von Schwaben und Allgäu.

Als wir dann in Marktoberdorf zum ersten Mal einen Hinweis auf die Stadt Schongau im Pfaffenwinkel entdeckten, wussten wir, dass unser Ziel nicht mehr weit entfernt war.  Die Anzahl der BMW-Treiber erhöhte sich im gleichen Maße wie die  schwarzen, Furcht erregenden Wolken. Die Chance trocken zum Treffen zu kommen, ging immer mehr in Richtung null. Jetzt war der Motorradfahrer an sich und speziell der erfahrene Landkartenfreak  immer noch der Meinung, durch geschicktes Umfahren der schwarzen Wand dem unvermeidlichen Aufguss zu entgehen. Lechbruck lautete das Sicherheit versprechende Ziel.  Wir schafften  es gerade noch ins erstbeste Cafe - dann brach die Hölle los. Wer einmal ein richtiges Gewitter im Gebirge erlebt hat, weiß was gemeint ist. Knapp eine Stunde, sechs Kaffee und zwei Eisbecher später stufte der optimistische Biker den nach wie vor fallenden Regen als harmlos genug ein, um seine Reise fortzusetzen. Ganze drei Minuten dauerte es, um den fatalen Irrtum zu erkennen. Auf den fünf Kilometern nach Steingaden haute der Himmel einen Nachschlag der Extraklasse raus, bestrafte gnadenlos jede undichte Stelle der Motorradkleidung und ließ keine Eindringmöglichkeit aus. Angekommen in Steingaden, hieß es nur noch so schnell wie möglich eine Haltemöglichkeit zu finden, da die Wassermassen bereits die Gullideckel auf Fontänen tanzen ließen und jedes entgegenkommende Fahrzeug mit einer Bugwelle für ein neues Biker-Duschbad sorgte.