Motorradtour Niederrhein

Motorradtour Niederrhein


Nette, Maas und Peel Route

Entlang der deutsch-niederländischen Grenze erstreckt sich der landschaftlich sehr reizvolle Naturparks Maas-Schwalm-Nette. Ebene Flächen dehnen sich hier scheinbar endlos und nur selten hindern Hügel sanft den Blick zum fernen Horizont. Eiszeitgletscher haben das Land platt geschliffen und nur wenige Höhenzüge hinterlassen; dazu der große Fluss, in frühen Zeiten häufig ausufernd - wovon noch Altarme mit verschlungenen Nebenläufen künden.

Wir starten in der „Seenstadt“ Nettetal, mitten im Herzen des Naturparks gelegen und geprägt durch die bewaldete und feuchte Flussniederung des Flüsschens Nette und die hierin eingebetteten zwölf Seen. Kleine, schmale Sträßchen und alte Alleen führen uns entlang des Krickenbecker-, De Witt- und Breyeller Sees zur Holtmühle, einer über 300jährigen Wassermühle mit idyllischem Weiher. Etwa über einen Kilometer folgen wir der asphaltierten Straße, passieren nach einem kurvenreichen, bergab führenden Abschnitt die Molz- und Tüschenbroicher Mühle und schlängeln uns auf der kleinen Dorfstraße durch das Örtchen Schwaam mit seinen einzigartigen, reetgedeckten Fachwerkhöfen. Kurz hinter Wassenberg, erreichen wir Holland. Verwaiste Schlagbäume erinnern an eine Grenze, die es schon lange nicht mehr gibt. In Vlodrop ist auf einem urigen Bauernhof erst einmal Kaffeepause angesagt und „kleine Königstiger“ verlangen ihr Recht ;-).

Fähre_Maas


Über Sint Odilienberg „An der Roer“ (dt. Rur) mit seiner imposanten, auf einem Hügel gelegenen Basilika, schwingen wir gemächlich zur Bischofsstadt Roermond, im Herzen Zentral-Limburgs gelegen. Eine Stadt mit einer reichen Geschichte, alten stattlichen Herrenhäusern und prächtigen Kirchen. Unbestätigten Gerüchten zufolge sollen hier allerdings Motorroller und Motorräder schneller verschwinden, als man gucken kann. Also verzichten wir einfach ganz auf eine Besichtigung des historischen Stadtkerns. Wir überqueren die Maas, die sich hier ihren Weg durch eine 3.000 ha große Wasserfläche - den durch Auskiesung entstandenen Maasplassen - bahnt. An beiden Flussufern, eingebettet in sattes Grün, erstreckt sich eine bunte Kette malerischer Dörfer, deren mittelalterliche Kerne zum Verweilen einladen. Wir folgen auf winzigen, fast kurvenlosen Strassen dem Flusslauf. Unterwegs erinnern Schlösser, Kapellen und Wegkreuze in einer einzigartigen Natur, in der Galloway-Rinder und Konik-Ponys grasen, an die Vergangenheit und von den Deichkronen ergeben sich immer wieder prachtvolle Maaspanoramen. Der Anblick des pittoresken Klosterdorfs Steyl am gegenüberliegenden Flussufer ist beeindruckend.
Groote_Peel


An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis: Man muss für diese Niederrhein Motorradtour nicht nur wegen der schönen Landschaft etwas mehr Zeit mitbringen; auch die zahlreichen 30er und 60er Zonen (außerhalb der Orte!) tragen zur „Entschleunigung“ und Wiederentdeckung der Langsamkeit bei. Zusätzlich sind Grundkenntnisse der niederländischen Sprache hilfreich. So sollte man zwingend die Bedeutung des Hinweisschildes „Let op! Drempels“ kennen, welches zahlreich in der Landschaft steht. Drempel (dt. auch: Krefelder/Berliner Kissen, Kölner Teller, schlafender Polizist, Hubbel, Kreissegmentschwelle, Polterrampe, Rüttelschwelle, Holperschwelle und Delfter Hügel genannt) sind Bremsschwellen in der Straßenmitte. Der von ihnen beim Überfahren verursachte Stoß soll Auto-, Motorrad-, und Motorrollerfahrer zu einer Verringerung der Geschwindigkeit bewegen und die Einhaltung von Geschwindigkeitsbegrenzungen forcieren - und das tun die Dinger auch!!
Groote_Peel_1_


Buggenum ist ein weiterer alter Ort, der mit besonders schönen Häusern, vor allem entlang der Dorpstraat, aufwartet. Durch die Bäume und über die Maas hinweg sieht man die riesige Anlage der „Maascentrale“, einem Wasserkraftwerk. In Baarlo, dem Dorf der fünf Schlösser (daher „Kastelendorp“ genannt), verlassen wir „Mooder Maas“ (wie die Limburger den Fluss liebevoll nennen) und das Maastal und erreichen kurz darauf „De Groote Peel“, eine idyllische, wasserreiche Landschaft mit undurchdringlichen Mooren (Peel), Teichen, offenen Heidegebieten, Wäldern und Sanddünen und einigen verträumten Dörfchen, zu denen auch Griendtsveen gehört. Das denkmalgeschützte Dorf zeichnet sich durch seine kleinen Zugbrücken, seine charakteristischen Häuser und die schnurgeraden Peelkanäle aus. In der Zeit, in der das Gebiet De Peel erschlossen wurde, dienten diese Moorkanäle zum Abtransport des abgestochenen Torfes. Heute verlaufen beidseits der Kanäle schmale Wege, die mit einer ganzen Reihe von Brücken verbunden sind.
Groote_Peel_3


Natürlich müssen wir auch nach Overloon, wo es angeblich das leckerste Eis in den gesamten Niederlanden gibt. Blitterswijk, die pittoresken Dörfchen Broekhuisen und Broekhuisenvorst mit ihrem Straßenpflaster aus Masskieseln und das Rosendorf Lottum, das Zentrum der Rosenzucht in den Niederlanden, sind die nächsten Stationen unserer kleinen Niederrhein Motorradtour. Hier stoßen wir auch wieder auf die sich breit und ruhig dahinschlängelnde Maas und setzen auf einer kleinen Fähre ans andere Ufer über. An Arcen - einem besonders idyllischen und beliebten Ausflugsziel an der Maas - vorbei, durch das weitläufige Gebiet der Maasduinen (Flugsanddünen, die noch im heutigen Landschaftsrelief erkennbar sind) erreichen wir wieder heimatlichen Boden. Keine Drempel, keine 60er Zonen mehr - wunderbar! Gelegenheit, noch einmal etwas mit der Gashand zu spielen, ehe wir müde aber glücklich wieder Nettetal erreichen.
Mühle_Merselo