Motorradtour Savoyen 2011

Motorradtour Savoyen 2011


Bayern – Savoyen und retour

Die französischen Alpen mit ihren unglaublichen Pässen und Schluchten üben auf meine Frau und mich einen besonderen Reiz aus. Also mussten wir in diesem Jahr einfach mal wieder in diese Region. In Valloire zwischen Col de Telegraph und Galibier sollte unser Stützpunkt liegen um die umliegenden Pässe ohne großes Gepäck genießen zu können.

Um keine Autobahn fahren zu müssen plante ich ein paar Tage mehr ein und machte so auch die An- und Heimfahrt zum Urlaubsgenuss. Ein guter Entschluss wie ich nun im Nachhinein guten Gewissens sagen kann.

1. Tag Gardasee

Wir starteten im für dieses Jahr typischen Sommerregen in Oberbayern gen Brenner, dabei hofften wir natürlich auf besseres Wetter. Zunächst wurde es nach Innsbruck bei der Auffahrt zur alten Brennerstraße kälter und kälter, zu allem Überfluss wurde auch der Regen immer stärker. Als deutscher Motorradtourer kennt man das ja, trotzdem könnte ich auf diese Regenfahrten gut verzichten. Nach der Brennerpasshöhe endlich Hoffnungsschimmer, wird etwa wie erhofft tatsächlich in den südlichen Alpen besseres Wetter vorherrschen? In der Ferne wirkt der Himmel heller und freundlicher; immer wieder blinzle ich kurz auf den Temperaturanzeiger im Cockpit ...und tatsächlich die Temperaturen gehen stetig nach oben. Freude kommt auf. Als wir am Lago Toblino vorbei fahren ist strahlend blauer Himmel über uns, die Temperaturanzeige zeigt 25°C an – so macht Motorradfahren Spaß! Abends lassen wir den Tag in Gargnano bei 27°C und tollem Wetter am Ufer des Gardasees ausklingen. So habe ich mir das vorgestellt!

2. Tag Aosta

Am Morgen starten wir nach einem hervorragendem Frühstück im Hotel Bartabel bei strahlend blauem Himmel am Gardasee in Richtung Aostatal. Ich freue mich schon auf die grandiose Aussicht auf die umliegenden Berge. Wir bewegen uns anfangs auf die Poebene zu. Die Straßen hier sind breit und gut ausgebaut, kaum Verkehr, wir durchfahren ein Gebiet in dem wenig Tourismus herrscht, die Bevölkerung hier lebt von der Landwirtschaft. Das Maschinchen schnurrt gelangweilt vor sich hin und wir genießen das schöne Wetter und die weitgehend leeren Straßen...bis, ja bis sich der Himmel am Horizont plötzlich bedenklich verdunkelt. Wird wohl doch noch etwas feucht werden, denke ich mir, als schon die ersten Regentropfen auf dem Visier zerstäuben. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass wenige Kilometer später monsunartige Regenfälle auf uns niedergehen würden. Es schüttet in Strömen, dass sich entlang der Straße überwiegend Reisfelder befinden, sofern man  überhaupt noch etwas erkennen kann, wundert mich nicht.. „Reis braucht's ja feucht“ denke ich in einem Anfall von Galgenhumor. Als wir die Poebene verlassen wird auch der Regen  leichter. Das Stimmungsbarometer steigt. Ich bewundere in Gedanken meine Frau, die solche Urlaubsfahrten schon seit Jahren mit mir als Sozia teilt und dies immer noch mit Freude macht. Im Aostatal angekommen hört der Regen auf, die Kleidung hat uns gut geschützt und trocknet nun aussen langsam ab. Leider wird es nichts mit der grandiosen Aussicht auf die Berge während der Fahrt durchs Tal. Die Wolken hängen noch immer sehr tief. Als wir am Spätnachmittag unser Hotel erreichen lichtet sich der Himmel und gibt teilweise die Sicht auf die Berge frei. Wir entdecken dabei, dass es in den Höhenlagen geschneit hat, die Bergspitzen leuchten im Sonnenlicht  in intensivem Weiß. Den Abend können wir trocken ausklingen lassen. Wir nutzen die Gelegenheit und sehen uns die wunderschönen römischen Bauwerke in Aosta an. Für Fans der römischen Geschichte ist die Stadt ein Leckerbissen. Ich interessiere mich jetzt allerdings nach der Besichtigungstour mehr für ein gutes Abendessen.

3. Tag Ankunft in Valloire

Am Morgen starten wir in Aosta, die Klamotten sind wirklich gut, bis auf die Handschuhe ist alles wieder trocken. Die Wetterlage sieht gut aus. Wir wollen heute Valloire erreichen, da es in den Bergen geschneit hat beschließe ich den weg über den kleinen St. Bernhard zu nehmen und nicht die spektakulärere Variante über den Iseran die beiden Pässe trennen immerhin etwa 500 Meter Höhenunterschied. Ich ahne zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie richtig diese Entscheidung sein würde. Die Reisekuh wedelt in freudiger Erwartung zum kleinen St. Bernhard hoch. Wir registrieren dabei, dass die Temperaturen mit dem Gewinn von Höhenmetern empfindlich fallen. Wenige Kilometer vor der Paßhöhe sehe ich vor mir nur noch Wolken, während beim Blick in den Rückspiegel blauer Himmel leuchtet. Was soll's wir müssen auf die andere Seite des Passes. Weiter geht die Fahrt. Oben angekommen ist es mächtig ungemütlich. Es hat nur noch 2°C ...und es schneit. Wir befinden uns  2190 m über dem Meeresspiegel. Eine Fahrt über den Iseran, der 2770 m Höhe aufweisen kann, wäre heute unmöglich gewesen. Nach einigen, wenigen Fotos mit klammen Fingern wollen wir schnellstmöglich weiter. Die Sicht wird kurz nach der Paßhöhe noch schlechter und beträgt nur noch ca. 30m, zu allem Überfluss bleibt auch noch Schnee auf der Fahrbahn liegen. Mit äußerster Vorsicht geht es nun Richtung Tal.  Als wir endlich aus den Wolken herauskommen wird das Fahren angenehmer. Die Straße ist zwar noch immer Nass, der Schneefall hat sich aber in leichten Nieselregen gewandelt und es scheint so als ob der Himmel in südlicher Richtung heller und freundlicher wird. Der Schein hat nicht getäuscht, bei der Annäherung zum Col de la Madeleine wird es total angenehm. Durch die Kraft der nun die Wolken auflösenden Sonne dampft die Straße. In Verbindung mit der fantastischen Berglandschaft sieht das unglaublich aus, man glaubt zu träumen, solche Bilder brennen sich tief in das Bewusstsein. Vor Begeisterung vergesse ich anzuhalten und zu fotografieren. Aber solche Eindrücke kann ein Foto sowieso nicht vermitteln. Einige Kilometer vor der Paßhöhe tauchen wieder Wolken auf und es wird kalt. Als wir das Motorrad auf dem Parkplatz vor dem Bergrestaurant in 2000 m Höhe abstellen sind wir wieder bei 2°C angelangt. Wir beschließen uns im Restaurant aufzuwärmen. Die Speisekarte ist nicht gerade sehr geldbörsenfreundlich aber es gibt hier wirklich sehr gutes Essen. Wir bereuen es nicht hier eingekehrt zu sein. Gestärkt und aufgewärmt gehen anschließend den Ritt ins Tal an. Obwohl die Wolken nichts gutes verheißen regnet es nun nicht mehr. Am Col de Telegraph ist schon an der Anwesenheit von unzähligen Wohnmobilen und noch mehr Radfahrern erkennbar, dass die Tour de France hier in wenigen Tagen durchrollen wird. Nur noch wenige Kilometer und wir sind an unserem Etappenziehl Valloire angelangt.