Allgäu

Allgäu


Wo bitte ist das Allgäu?

Natürlich gibt es in Deutschland niemanden, der nicht weiß wo das Allgäu liegt! Das ist da wo die Königsschlösser stehen, wovon eines aussieht wie Disney’s Cinderella-Schloss. Für die, die es vielleicht wirklich nicht wissen, hier eine kleine Nachhilfestunde: Das Allgäu ist eine Landschaft, die sich über den südlichen Teil des bayerischen Regierungsbezirks Schwaben (Bayerisch-Schwaben), das äußerste südöstliche Baden-Württemberg sowie einige zu Österreich gehörende Grenzgebiete erstreckt. Etwas globaler: Das Allgäu liegt im Dreiländereck Deutschland – Österreich-Schweiz. Für Biker: Berge, Pass-Straßen Kurven ohne Ende.

„ Allgäu in den Tankrucksack“

Auf der diesjährigen Motorradmesse in Dortmund fiel uns ein Stand auf, der von einem gut gelaunten, in Trachten gekleideten, Paar betreut wurde.- „Schwabenhof“- Wir  wurden neugierig und sahen uns näher um. Schnell kamen wir mit Erich Kohler und seiner Tochter Sandra ins Gespräch, die uns ganz entsetzt erzählten wie viele Menschen nicht wissen, wo das Allgäu liegt. Wir grinsten uns an und ließen dann „blicken“ , dass auch wir keine klassischen Besucher sind und umrissen den erstaunten Allgäuern kurz das Konzept der MOTORRADSTRASSE DEUTSCHLAND. Eine gemeinsame, erdkundliche Mission „ Allgäu in den Tankrucksack“ wurde geboren.  Zu diesem Zeitpunkt war unser Terminplan für 2009 schon sehr gut gefüllt und fast wäre es dieser guten Idee so gegangen wie den guten Vorsätzen, die man üblicherweise zum Jahreswechsel hat- wenn uns nicht im September die Einladung in den „SCHWABENHOF“ auf den Tisch geflattert wäre. Wir freuten uns riesig, da wir zum Saisonabschluss sowieso noch einmal auf’s Mopped wollten, uns aber noch keine Gedanken über das Ziel gemacht hatten. Wir kommen! – Allerdings wird’s wohl Anfang bis Mitte Oktober werden, teilten wir unseren sympathischen Gastgebern mit.

Schneeflöckchen…

Tja und dann kam es so wie es kommen musste. Es wurde tatsäch-lich Mitte Oktober, unsere Reise war geplant, die Moppeds waren schon so gut wie gepackt, als unsere Gastgeber uns mitteilten, dass der erste Schnee gefallen war. Außer uns hatte sich für dieses Wo-chenende eine Truppe aus dem Schwarzwald angekündigt- die hatten, als sie über die Wetterlage informiert wurden, beschlossen dem Wetter zu trotzen. Da konnten wir natürlich nicht nachstehen. Also- warm anziehen, ab auf die Bahn und dann zügig Richtung Süden. Als wir in Kempten die Autobahn verließen, fuhren wir erst mal rechts ran und sahen uns um. Im Sommer hätten wir uns hier an den sattgrünen Wiesen auf sanften Hügeln erfreut- nun war tatsächlich alles weiß. Die Straßen waren jedoch trocken und so schwangen wir uns wieder auf unsere Bikes, denn die Sehnsucht nach Wärme, nicht zuletzt in Form eines Heißgetränkes nahm stetig zu. Über den Riedbergpass, die höchste Passerhebung Deutschlands mit 1420 m Höhe, 16% Steigung und einem traumhaften Panoramablick, erreichten wir Balderschwang denn da liegt er der „Schwabenhof“. Die Kohlers nahmen uns herzlich in Empfang und führten uns flugs in die gute Stube, wo tatsächlich ein munteres Feuer im Kamin prasselte- das tat sooo gut. Jeder, der sich auf dem Mopped schon mal nen kalten Po geholt hat, kann das sicherlich ohne weitere Ausführung nachempfinden. Nach dem Heißgetränk in Form eines göttlichen Jagatees meldeten die leeren Mägen HUNGER.

Wir bezogen unsere Zimmer. Hell, freundlich, mit viel Platz und modernen Badezimmern ausgestattet – Lichtjahre entfernt von Häusern, die Biker bewerben, weil der Zahn der Zeit an ihnen genagt hat, oder der Besitzer nicht in Renovierung oder Modernisierung investieren wollte. Nach einer heißen Dusche machten wir uns landfein und begaben uns dann Richtung Gaststube, die sich in der Zwischenzeit gut gefüllt hatte. Wir nah-men Platz und eine flotte, freundliche Bedienung reichte uns die Speisekarten. Wir waren uns einig- Monika Kohler, Erich’s Frau, hat das Restaurant und das Personal gut im Griff. Zurück zu den Speisekarten- eine Katastrophe ! Na ja- auf jeden Fall für alle, die von Entscheidungsschwierigkeiten geplagt sind. Lieber nur einen der angebotenen Salate und dafür eine der verlockenden süssen Kaloriensünden? Doch lieber was Deftiges aus der Bauernküche …. oder- hier müsste man einfach länger bleiben um alles probieren zu können, damit einem dann die Wahl leichter fällt.

Wie die Kohlers zum Schwabenhof kamen

Als wir so richtig rund rum satt und zufrieden waren fielen uns dann auch die Jungs und Mädels aus dem Schwarzwald auf und als die einheimischen Gäste nach und nach das Feld räumten, ergriffen wir die Gelegenheit die Tisch zusammenzurücken um ins Benzinge-spräch einsteigen zu können. Auch Erich, der sein Tagewerk erledigt hatte gesellte sich dazu und bereicherte das Gespräch mit einer Runde „Super Plus“. Er erzählt uns dann, wie die Familie Kohler zum „Schwabenhof“ kam.
Der Schwabenhof wurde ursprünglich im 17. Jahrhundert von den Ravensburger Kurfürsten errichtet. In den 1990er Jahren war Erich Kohler als Führungskraft im ortsansässigen Liftbetrieb tätig. Von dort aus hatte er den mittlerweile verfallenen Hof täglich vor Augen. Eines Tages offenbarte er seiner Frau Monika, die bis dahin als Steuerfachangestellte tätig war, den Wunsch, an der Stelle des alten Hofes einen Gasthof zu bauen. Zeiten der Verhandlung mit Eignern, Ämtern und Banken vergingen. Doch schließlich ging der Schwa-benhof in den Besitz der Kohlers über. Als erstes wurde die Scheune abgerissen- ihr Holz ziert heute das Innere der Gaststube und ver-leiht ihr damit einen ganz besonderen, unverwechselbaren Charme. Nach Neubau und diversen Umbauten eröffnete die Familie Kohler im Jahr 2000 den „Schwabenhof“ und begann damit den Traum des Erich Kohler zu leben.


gemeinsame Tourenplanung

Unsere Schwarzwälder wurden von der Bettschwere eingeholt, doch bevor sie uns verließen fragten sie ob wir uns ihrer morgigen Tour Richtung Süden anschließen „wolle“t. Als Erich anbot, uns allen seine Heimat zu zeigen, stimmten wir zu und verabredeten uns für den nächsten Morgen. Nach einem reichhaltigen Frühstück erblick-ten wir Erich, der mit seiner Triumph Street Triple bereits ungeduldig auf uns wartet. Richtung Bodensee sollte es gehen - die Schwarzwälder wollten sich dann über Schaffhausen auf den Heimweg machen. Als Ortskundiger führte uns Erich über kleinste Sträßchen, asphaltierte Wirtschaftswege und Landstraßen durch eine faszinierende Landschaft und uns war, als könnten wir sein schelmisches Grinsen durch den Helm erkennen. Die nachfahrenswerte Tour, die ihr hier auch als Karte vorfindet, führte bis nach Lindau am Bodensee. Nachdem wir uns von den Schwarzwäldern verabschiedet hatten machten wir eine Kaffee-pause, in der Erich uns einen weiteren Einblick in sein Leben gab. Er erzählte uns, dass sich seine Leidenschaft für’s Motorradfahren durch den „Schwabenhof“ entwickelt hat. Nach der Eröffnung entdeckten örtliche Motorradfahrer den Gasthof für sich und schnell wuchs die Zahl der Biker, die sich dort regelmäßig trafen - der Treff „Bikerstadl“ entstand. Erich selbst hatte keinen Einser aber einen neuen Wunsch- er wollte dazugehören. Wie heißt es immer so schön? Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum- Erich machte den Führerschein, kaufte sich kurzum eine 500er Suzi und begann seine Heimat neu zu entdecken - die Freude daran teilt er gerne mit seinen motorradfahrenden Gästen.

Dann wird es auch für uns Zeit den Rückweg nach Balderschwang anzutreten. Gerade als wir ankommen verabschiedet sich ein Tiroler Gastwirt, der mit seinen Bikern hier Rast gemacht hat. Der „Schwa-benhof“ ist durchgehend geöffnet und wird daher von vielen motor-radfreundlichen Gastgebern gern als Pausenstopp empfohlen.
Am Folgetag steht auch für uns der Heimweg an. Wir waren gerne hier und kommen ganz bestimmt wieder- zu einer Jahreszeit , in der alle Passstraßen schnee- und eisfrei sind, damit wir uns voll austo-ben können und wegen der langen Anreise wohl mit den Moppeds auf dem Anhänger, den man auf Kohler’s, an den „Schwabenhof“ grenzenden, Wohnmobilstellplatz locker ein paar Tage lang lassen kann.
Na, wie sieht’s aus? Vielleicht sieht man sich ja mal- jetzt, da Mo-torrad-Deutschland weiß wo DAS Allgäu ist.


Schwabenhof
Familie Kohler
Schwabenhof 23
87538 Balderschwang
Tel: 08328-924060
Fax: 08328-924066

www.schwabenhof.com