Mittelrhein und Mosel

Mittelrhein und Mosel


Auf den Spuren des Hochwassers

Der Winter ist nicht gerade die beliebteste Jahreszeit bei Bikern. Aber er liefert mit seinen Hochwassermeldungen oft Ortsnamen, die es sich im Sommer durchaus mal zu besuchen lohnt.

Besonders gebeutelt hat´s in diesem Jahr wieder mal die Leute an Rhein und Mosel. Grund genug, im Frühjahr mal nachzusehen, ob wieder alles „im Lack“ ist. Wir lenken also unseren Bock aus Richtung Ruhrgebiet/Köln kommend über die A3 bis zur Ausfahrt Bad Honnef/Linz. Per Landstraße gehts über Kalenborn in steilem, kurvigen bis serpentinenartigem Abstieg auf das rechtsrheinische Linz zu. Das wunderschöne Fachwerkstädtchen lohnt durchaus einen Stadtbummel. Im Bereich des unteren Marktplatzes findet man überall Markierungen aus alten Zeiten, die von Hochwasserständen zeugen.

Etwas oberhalb des Ortes bietet die Burg Ockenfels, in der heute ein namhafter Gesundheitsschuh-Hersteller eine Akademie betreibt, einen traumhaften Ausblick über das Rheintal und die linksrheinische Kulisse, die schon zu Rheinland-Pfalz gehört. Um dorthin zu gelangen, bedient man sich sinnvoller Weise der örtlichen Fähre nach Kripp. Von dort geht´s in südlicher Richtung weiter auf  Koblenz zu. Die breit ausgebaute B9 bietet in diesem Streckenabschnitt wenig reizvolle Ausblicke, jedoch hinter Bad Breisig genug Platz, mal auf der Rheinufermauer zu picknicken. Immerhin interessant ist, dass die Schnellstraße an Andernach vorbei über etliche Kilometer in 4-spuriger Brückenbauweise am Berghang entlang gebaut ist.

Wer noch die Fernsehbilder vom Deutschen Eck vor Augen hat, als das Reiterstandbild fast nasse Füße kriegte, der sollte sich in jedem Fall das Gelände mal im Trockenen ansehen. In unmittelbarer Nähe legt vor der Kulisse der Festung Ehrenbreitstein der älteste deutsche Raddampfer an, die Goethe. Wenn nicht gerade der Zeiger am nahegelegenen Pegelhaus Hochwasser meldet. Ein paar Schritte entfernt gibt‘s das Weindorf, in dessen idyllischer Atmosphäre man auch gut und preiswert speisen kann.

Weiter geht‘s auf der linken Rheinseite zwischen Bahn und Strom den Flussbiegungen folgend über Rhens, Boppard, St. Goar und Oberwesel bis Bacharach. Wer in einem der genannten Örtchen einen Stadtbummel macht, wird wieder schnell an den Markierungen in den Hauseingängen merken, wie nah die Bewohner doch am Wasser gebaut haben!

Nachdem wir uns so lange auf Wasserstandsniveau bewegt haben, beginnen wir hinter Bacharach den Aufstieg auf die angrenzenden Höhenzüge in Richtung Rheinböllen. Nach etlichen Spitzkehren werfen wir noch einmal den Blick zurück auf das grandiose Panorama des Rheintals, bevor wir über die B 50 und die B 421 via Simmern durch den Hunsrück Kurs auf Zell an der Mosel nehmen. Diese Etappe ist nicht besonders malerisch, aber immerhin sind die Straßen von guter Qualität und bieten Kurvenspaß.

Dafür wird das Auge in Zell angekommen wieder durch die typische Weinort-Idylle entschädigt. Wir queren die Mosel über die alte Brücke und folgen dem Fluss stromabwärts nach Cochem. Unterwegs genießen wir die malerische Kulisse des Örtchens Beilstein auf der anderen Moselseite, durchfahren ein uraltes Zollhaus und genießen den Anblick der Weinberge, die heutzutage und hierzulande alle mit Hilfe moderner Einschienenbahnen bewirtschaftet werden.

Auch hier wieder in den Ortschaften die bekannten Wasserstandsmeldungen. Kein Kaff, in dem die Mosel nicht ihre Marken gesetzt hat. Manch ufernaher Gastwirt hatte in alten Zeiten jedes Jahr den Fluss auf Balkonhöhe stehen! Die Legende sagt, früher sei der Nachtwächter bei entsprechender Gelegenheit mit der Glocke und dem Ruf „De Mooooosel kütt!“ durch den Ort geeilt. Immerhin nehmen es die Leute gelassen, sie kennen es nicht anders. Seit der Kanalisierung des Flusses mit Staustufen zur Schiffbarmachung kommt das allerdings viel seltener vor.

So folgen wir weiter dem Lauf der Mosel, passieren malerische Ortslagen und genießen den Anblick des träge dahinfließenden Stroms, bevor wir zwischen Müden und Hatzenport einen der Abzweige nach Münstermaifeld nehmen. Binnen kürzester Distanz geht es mit traumhaft schönem Ausblick steil am Hang des Moseltals hoch, bevor uns oben angekommen eine völlig andere Landschaft empfängt. Durch das Hochplateau des Maifeldes, eine überaus fruchtbare Ackerbaugegend, halten wir uns nach Beschilderung über verträumte Binnenstraßen auf  Mayen zu, um später in Mendig die A61 zu erreichen. Auf ihr und später der A1 geht´s via Köln der Heimat zu.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wegen der Distanz von ca. 600 km wird empfohlen, die Tour als Zweitagesfahrt zu planen. Außerdem kann man dann die Übernachtung mit einer Weinprobe verbinden. Ob die nun an Rhein oder Mosel stattfindet, sei jedem selbst überlassen. Je nach Können, Wollen und Uhrzeit. Pensionen und Campingplätze gibt‘s hier wie da zuhauf, allerdings sollte man nicht gerade auf der 100-km-Etappe durch den spärlich besiedelten Hunsrück auf die Suche gehen. Allgemein gilt: Im Rheintal ist es immer ein paar Grad wärmer als woanders!