Trentino

Trentino


oder von allem etwas

Die Entscheidung wo die Tour hingehen sollte fiel wieder einmal schwer. Zu viele schöne Regionen gibt es in den italienischen Alpen. Dolomiten wären mal wieder fällig , das Monte Baldo Gebiet lockt, die vielen kleinen Pässe, die im ersten Weltkrieg entstanden sind oder vielleicht doch mal an die Adria? Aber - wieso nicht von allem etwas? Ich sehe auf die Landkarte und es wird klar - das Trentino muss es sein, von dort kann man alle diese Ziele erreichen. Ich suche ein Hotel in Levico Terme und schon wird gebucht.

Anfahrt über den Staller Sattel

Endlich Urlaub, es kann los gehen, nach dem Frühstück wird die Maschine beladen und unterwegs sind wir. Um die Brennerstraße zu vermeiden lenke ich die BMW Richtung Felbertauern. Zwar muss man an der Tauern - Bundesstraße durch einen Tunnel und es wird etwas Maut fällig, die Vorfreude auf das Sahnestück der Anfahrt wird dadurch jedoch nicht getrübt. Ich fahre zielstrebig in das Defreggental. Das sind die Motorradstraßen die ich liebe, wenig Verkehr, tolle Landschaft, sogar das Wetter spielt mit, das Urlaubsfeeling stellt sich schon jetzt ein.Am Talschluss geht es hinauf auf den Staller Sattel, wir haben den optimalen Zeitpunkt erwischt, jetzt Anfang Juli sind die Hänge rot gefärbt, die Alpenrosen blühen. Um die Alpenrosenblüte zu sehen braucht’s ein bisschen Glück,da der Zeitpunkt auch vom Wetter während des Frühjahrs abhängt. Die beste aller Sozias ist begeistert und auch ich, der ich wie die meisten Männer nicht unbedingt immer einen Blick für solche Dinge habe, bin beeindruckt.

Die Passhöhe des Staller Sattels hat eine Besonderheit, die Straße ist nur jeweils in den letzten 15 Minuten einer Stunde geöffnet. Kommt man zu früh oder zu spät an, heißt das eben warten. Wir haben noch 15 Minuten Zeit bis die Ampel auf grün springen wird, gerade richtig um in einer der Hütten auf dem Pass einen Cappucino zu genießen. Die ersten Motorradfahrer werden bereits ungeduldig und stellen sich ganz vorne an der Ampel auf um vor den Autofahrern los düsen zu können. Wir bezahlen in Ruhe und fahren etwa 10 Minuten später los, schnell wird klar warum die Ampelregel existiert, denn die Straße ist sehr schmal und es ist sowieso besser, die Gebirgslandschaft zu genießen.  Der Paß führt vom Defreggental ins Antholzer Tal. Über Bruneck gleiten wir durch die Dolomiten über den Campolongo Paß zum Passo Pordoi ins Val di Fassa, das uns wiederum ins Val di Fiemme bringt. Jetzt folgen wir der Beschilderung nach Trento, von da schwingen wir uns zum Levico See um in Ruhe unser Quartier beziehen zu können. Das Hotel hält was die Internetrecherche ergab. Hotel Sorriso direkt am See, Unterstellmöglichkeit für das Motorrad ist vorhanden. Ein kleiner, schöner und sehr gepflegter  Wellnessbereich mit Hallenschwimmbad, das auch einen Whirlpool beinhaltet, runden die Sache ab. Die Zimmer sind sauber und ausreichend groß und das Abendessen bietet italienische Küche vom Feinsten. Nach dem wir hervorragend gespeist haben lassen wir den Tag im Wellnessbereich ausklingen.

 

Vajontschlucht

Am nächsten Tag können wir im Garten frühstücken, das Wetter verspricht einen tollen Tag.  Ich möchte unbedingt die Vajontschlucht mit dem zugehörigen Staudamm sehen, also brechen wir auf, durch das Val Sugana, vorbei an Feltre und Belluno in Richtung Longarone. Die Fahrt durch die Vajontschlucht flößt Repekt ein. Nach einigen Kehren fährt man durch einen Tunnel, der immer wieder den Blick auf die gewaltige Schlucht freigibt. Plötzlich ist er zu sehen, der Staudamm. Anfang der 60iger Jahre wollte die italienische Regierung hier zeigen was Ingeneurskunst  in Bella Italia zu leisten vermag. Trotz Warnung der Umweltschützer und Geologen wurde der höchste Staudamm der Welt gebaut, mit immerhin 264 m Höhe ist er noch heute in der Liste der höchsten Staudämme der Welt die Nummer 5. In Europa wird er nur vom Grand Dixence in der Schweiz mit 284 m übertroffen. Die restlichen 3 liegen in China. Der aufgestaute See sollte die Stromversorgung der Region sichern. Leider behielten die Geologen recht. 1963 wurde der See erstmals bis zum maximalen Wasserstand geflutet. Nur wenig später rutschte ein kompletter Berghang ab und verdrängte Millionen Kubikmeter Wasser. Die Staumauer hielt dem Druck stand, das Wasser schwappte also über die Mauer. Einem riesigem Tsunami gleich rauschte die Flutwelle durch das schmale Tal auf den Ort Longarone zu. Die Bewohner hatten keine Chance zu fliehen, der Ort wurde komplett zerstört und 2000 Menschen starben. Heute steht der Staudamm wie ein Mahnmal da. Stausee existiert keiner, weil die abgerutschten Gesteinsmassen einen kleinen Berg gebildet haben, für Wasser ist Schlicht kein Platz mehr. Irgendwie wirkt der große Betondamm ohne Wasser grotesk. Der Staudamm kann besichtigt werden, man muss sich allerdings erkundigen wann Führungen stattfinden. In der Nähe der Staumauer ist eine Gedenkkapelle errichtet worden. Im Tunnel kurz vor der Staumauer sind viele Gedenktafeln zu sehen. Die Strecke bis zum Osvaldopaß macht den Kopf wieder frei von trüben Gedanken. Beschleunigen, schalten, bremsen und das Ding unter sich einfach laufen lassen. Die Paßhöhe ist allerdings unspektakulär und kann bei flüssiger Fahrweise leicht übersehen werden. Wir schließen die Runde bei Feltre wieder und fahren durch das Val Sugana wieder zum Hotel wo wir es uns wieder richtig gut gehen lassen.