Motorradtour Kärnten

Motorradtour Kärnten


SEENsüchte

Unterwegs und zu Besuch bei Freunden im südlichsten Bundesland der Alpenrepublik. Ossiacher-, Wörther- und Millstätter See sind nur einige der weithin bekannten Gewässer des österreichischen Bundeslandes Kärnten. Kombiniert mit Passstraßen wie dem Großglockner, der Nockalmstraße und der Pustertaler Höhenstraße wird der Kärntentrip zum Bike-Erlebnis zwischen Berg und See. Dabei sind noch nicht einmal annähernd die Möglichkeiten beschrieben, die sich durch die umfangreichen Tourenvarianten bei Einbindung der Nachbarländer Slowenien und Italien ergeben.

Die von uns im Frühjahr letzten Jahres gefahrenen Touren haben wir zum Nachfahren in die beigefügte Karte integriert. Aber wir haben mehr erlebt als „nur“ mit dem Motorrad unterwegs zu sein. Wir haben befreundete Motorradhoteliers besucht und waren mit einigen von ihnen unterwegs. Gastgeber, die wir seit Jahren von den Motorradmessen persönlich kennen und die wir gerne einmal in ihrem persönlichen Umfeld erleben wollten. Keine Angst, dies soll keine Promotionaktion werden, sondern ein Blick hinter die Kulissen des Tourismusgeschäfts und der Menschen, die davon leben, dass es uns bei ihnen und in ihrer Region gefällt.

Nachdem wir uns bei unserem langjährigen Freund Heinz Mösslacher und seiner Frau Gudi in „Kraner’s Alpenhof“ einquartiert haben, ist die legendäre „Holzhacker-Pizza“ Pflicht. Pizzabäcker Gernot sorgt für den Holzofengenuss, Sandra für den flüssigen Nachschub. Kurze Zeit später fallen wir kaputt ins Bett.

BERG mit Hammer

Allerdings nicht so geschafft wie sonst, wenn wir die 800 km mit den Bikes zurückgelegt hatten. BIKERTRANSIT lautet das Geheimnis, dass unser dreiköpfiges Team und unsere vier benötigten Motorräder in einem Rutsch nach Kärnten geschafft hatte. Der alternative Autozug, mit Station in Villach kam auf Grund der vielen benötigten Kräder nicht in Betracht, wäre aber sonst auch noch eine Alternative zu eckig gefahrenen Reifen gewesen. So starten wir am ersten Tag mit unserer Victory Hammer, der F 650 GS und der Kawasaki Z 1000 SX.
Bevor wir kurz nach dem Start am Weissensee das obere Drautal erreichen, haben wir bereits die erste
Serpentinenkombination hinter uns.

Unseren ersten Besuch statten wir Franz Buzzi, Seniorchef des Hotels Gailberghöhe, ab. Hier, am Aufstieg zum knapp 1.000 m hohen Gailbergsattel, hatten sich noch vor wenigen Tagen die Radprofis beim „Giro d´Italia“ die Ehre gegeben. Mit Franz und seinem Kollegen Charly, den wir heute Nachmittag noch besuchen wollen, hatten wir uns lange auf den diesjährigen Motorradmessen im niederländischen Utrecht auf der Imot in München unterhalten und beschlossen sie beim nächsten Kärntenurlaub aufzusuchen. Wie auch später noch bei den anderen Hoteliers werden wir immer zu Kaffee, Kuchen oder einer deftigen Jausen eingeladen. Man fühlt sich willkommen und würde gerne so manchen deutschen Gastgeber zum Nachhilfeunterricht hierher schicken. Franz ist 60 Jahre alt und seine Söhne leiten das Geschäft mit den gleichen Qualitätsvorstellungen wie der Vater. Der ewige Preiskampf und die damit verbundene abnehmende Qualität sind Franz zutiefst zuwider. Lieber einmal auf die Vermietung eines Zimmers verzichten, dafür aber die gute Qualität zu einem vernünftigen Preis halten. Recht hat er, das finden nicht nur wir, sondern auch die Holidaycheck-Bewerter.

Gasthof Post

Über den Plöckenpass nach Italien und über das Nassfeld wieder zurück führt uns ein herrlicher Motorrad-Ausflug zurück in Richtung Weissensee. Aber zuvor wird noch der schon genannte Charly besucht, schließlich kennen wir ja inzwischen die österreichische Gastfreundschaft und die Mägen verlangen nach Mehlspeisen. Leider platzen wir noch mitten in die Betriebsferien des Panoramahotels und Charly betoniert gerade zusammen mit seinem Sohn eine neue Garagenzufahrt. Wir verabreden uns noch einmal für die nächsten Tage und holen dann, soviel sei verraten, die Mehlspeisenorgie nach. Auch hier steht mit Sohn Michael die „Generation Facebook“ in den Startlöchern, da die Reisebusse immer weniger werden. Dafür wächst die Zahl der Motorradfahrer im Panoramahotel, da Vater und Sohn als absolute Kenner der Region und selbst fahrende Tourguides zu überzeugen wissen. Dass das Hotel über jeden Zweifel erhaben ist, muss bei den Häusern des „Motorradland Kärnten“ nicht sonderlich erwähnt werden. So genante „Mystery-Tests“ sorgen für einen hohen Qualitätsstandard.

Harleys

Am nächsten Tag stillen wir unsere „Seensüchte“ mit dem Besuch am Millstädter- und am Ossiacher See. Hotelier Heinz ist mit von der Partie und zeigt uns manch schöne Stelle an den herrlichen Badeseen. Dieses Land ist wirklich ge„see“gnet. Ich genieße den Entschleunigungseffekt der einsetzt, wenn ich hier Motorrad fahre. Nicht zuletzt deswegen und natürlich wegen den „Spätfolgen“ der jährlichen „European Bike Week“ am Faaker See, sieht man hier deutlich mehr Harleys und Cruiserfans als anderswo. Genau das geht mir durch den Kopf, als wir in „Friedl´s Garage“ in Treffen bei Villach einfahren. Der auch unter dem Namen „Kuchler-Wirt“ bekannte Bikerwirt, gehört wohl zu den Urgesteinen der Motorradszene in Kärnten und ist mit seinem Gasthof weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Bei Friedl und seiner Gina sind fast ausschließlich Motorradfahrer zu Gast. Nicht weil es anderen Menschen dort nicht gefällt, sondern weil die Motorradfahrer schon früh buchen, um in der legendären Location ein Zimmer zu bekommen. Den guten Ruf haben sich die beiden hart erarbeitet, Neid ist also völlig unangebracht.

Motorradtour Kärnten 2

Friedl lädt uns zu seinem spektakulären Spare Ribs ein und wir freuen uns schon jetzt auf die gemeinsamen Motorrad-Messen im Jahr 2012, wenn wir abends wieder gemeinsam losziehen. Schade, dass seine Gina dann nicht mit kann, da sie in dieser Zeit den Laden schmeißen muss. Friedl´s skeptischer Blick in Richtung Himmel bedeutet nichts Gutes, denn er orakelt, dass die Wahrscheinlichkeit trocken an den 80 km entfernt liegenden Weissensee zu kommen gleich null tendiert. Wir fangen uns kurze Zeit später die Dusche ein, sind aber bereits wieder trocken, als wir in „Kraner’s Alpenhof“ eintreffen.

Am nächsten Tag ist Friedl mit von der Partie, führt uns über die Nockalmstraße und zeigt uns den Speicher
Kölnbrein am Ende der Malta-Hochalmstraße. Wir sind mit den Leih-Harleys von „Kraner’s Alpenhof“ unterwegs, was zwar die Durchschnittsgeschwindigkeit reduziert, dafür aber extrem entspannt. Unser letzter Tourentag führt uns durchs Lesachtal und über die Pustertaler Höhenstraße. Zum Abendessen schlagen wir noch bei Michael Brandstätter vom Gasthof Post in Oberdrauburg auf. Der Biergarten des einladende Hauses, zentral im malerischen Ortskern gelegen, ist ein guter Ort, die letzten Tourentage noch einmal Revue passieren zu lassen. Auch Michael ist begeisterter Biker und wird uns beim nächsten Kärntenbesuch einige Geheimtipps zeigen.

Panoramahotel Hauserhof

Am nächsten Tag packen wir den BIKERTRANSIT und verabschieden uns von Heinz und Gudi. Wir sind von der Gastfreundschaft der Kärntner Wirte mehr als angetan gewesen und haben in unseren Gesprächen auch viel über die Probleme von Hoteliers erfahren, die uns vorher so nicht bewusst waren. In dem hochtouristischen Land kann man sich auf Grund des enormen Wettbewerbs kaum Schwächen leisten, muss aber auch nicht jedes ruinöse Verhalten mitmachen. Positiv fiel auf, dass nicht gejammert, sondern in die Hände gespuckt und losgelegt wird. Bei den von uns besuchten Wirten wissen wir jedenfalls eines – der Motorradfahrer sucht genau das, was dort geboten wird. Also ihr Kärntner Bikerwirte, bleibt einfach so, wie wir euch erlebt haben.

Weissensee