Motorradfahren auf Mallorca – Teil 1: Enduro

Motorradfahren auf Mallorca – Teil 1: Enduro


Mit Mallorquin-Bikes diesseits der Pfade

Spätherbst, Winter und Frühjahr. In der Regel die Saure-Gurken-Zeit für uns Biker. Der zweirädrige Liebling steht in der Garage, entweder das Wetter, das Saisonkennzeichen oder beides verhindert die gemeinsame Zeit unterwegs. Da hilft nur eines: ab in den Süden. Nach Mallorca zum Beispiel. Über den gesamten Winter verwöhnt die Insel mit milden Temperaturen und wenig Massentourismus. Fehlt nur noch das notwendige Material in Form eines motorisierten Untersatzes vor Ort. Aber dafür gibt es ja Mallorquin-Bikes: da wirst du geholfen!

Gedacht, gesagt und getan. Ab in den nächsten Flieger und auf nach Malle. Der Deutschen liebste Insel ist ja aus jedem Zipfel Deutschlands schnell und günstig per Flieger erreichbar. Ende November war es auch bei uns soweit. Kalt und Grau war das Wetter beim Abflug von Köln, ganz im Gegensatz zum warmen und sonnigen Wetter bei der Ankunft in Palma. Die Vorfreude auf das Motorradfahren wandelt sich sofort in wohliges Kribbeln im Bauch. Zumal auf uns alle etwas ganz neues wartet: Enduro ist angesagt! Mietwagen entern und ab zu Mallorquin-Bikes. In Felanitx angekommen, nimmt uns Chef Johannes Pfaff von Mallorquin Bikes persönlich in Empfang. Von außen eher unscheinbar, überrascht Mallorquin-Bikes mit inneren Werten. 35 topgepflegte BMW-Motorräder in bestem Zustand stehen da in Reih und Glied. Dazu eine enorme Auswahl an Schuberth-Helmen, Motorradbekleidung, Handschuhen und Stiefeln. Wer will, kommt mit Shorts und T-Shirt und geht voll ausgerüstet auf Tour. Wir haben alles dabei und nur Augen für die Mopeds. Mit Respekt stehen wir vor den hochbeinigen BMWs: G450X und G650X stehen da und warten im wahrsten Sinne des Wortes darauf erklommen zu werden. Wer es eher gemäßigt mag, nimmt eine G650  X-Country. Und wer schon immer wissen wollte wie sich eine GS im Gelände so schlägt, hat die Wahl zwischen F800 und R1200 GS.

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Über Stock und Stein

Ich entscheide mich für eine 450er, die ist etwas weicher abgestimmt und geht (auch dank meines Gewichts) beim Aufsteigen mehr in Knie. Dennoch baumeln meine Füße hoffnungslos über den Boden. Bei jedem Halt gilt es eine Hälfte des Hintern von der Bank zu nehmen um mit einem Bein den Bodenkontakt herzustellen. Dank Nolan stehen uns für den Trip Testhelme zur Verfügung. Ich entscheide mich für den X-Lite X-551 und los geht’s. Mit heftigem Bollern erwachen die Einzylinder zum Leben und zaubern den Teilnehmern ein Grinsen ins Gesicht. Kurz nach dem Ortschild geht es ab in die Botanik. Erst einmal auf den Feldwegen ein Gefühl für das Moped bekommen. Noch nie ist mir so wenig Leistung so stark vorgekommen. Jeder Dreh am Gasgriff wird von dem Eintopf in heftigen Vorwärtsdrang umgesetzt, alle 52 Pferde stehen allzeit parat. Über Nacht hat es geregnet, was die Wege noch weicher und den Untergrund noch loser gemacht hat. Nach kurzer Zeit geht es die ersten Hügel hinauf. Der Pfad wird schmaler, die Untergrund steiniger.

Mallorquin Bikes 19

So langsam machen die langen Federwege mehr Sinn, auch wenn wir noch weit weg davon sind sie wirklich zu nutzen. Nach einer guten halben Stunde der erste Halt. Breites Grinsen blickt aus den Helmen aller Teilnehmer. Weiter geht es zum Übungsgelände von Mallorquin-Bikes. Dort erklärt Johannes der Gruppe die Grundlagen des Endurofahrens. Wie steht man richtig auf den Fußrasten und warum eigentlich. Wie verlagere ich wann mein Gewicht damit das Motorrad macht was ich möchte. Und warum sieht es verdammt nochmal bei ihm so leicht aus, während bei uns der Schweiß rinnt? Egal, es macht einen Heidenspaß. Über sandigen Untergrund, heftige kurze Bodenwellen und enge Kurven im Schlamm. Alles auf den Rasten stehend und anfangs noch sehr wackelig. Aber mit jeder Runde und jedem Tipp von Johannes wird es besser und läuft runder.

Bergauf und Bergab!

Also in flachem Terrain klappt es einigermaßen. Jetzt geht es an Auf- und Abfahrten. Ach hierfür gibt es den passende Übungshügel. Erst einmal den flachen Anstieg nehmen. Vorsichtig herantasten und dann mit Gas den Hang hoch. Wieder anfangs sehr zögerlich und mit zu wenig Gewicht auf dem Vorderrad. Und dann erst die Abfahrt. Was von unten wie ein sanfter Hügel aussah, verwandelt sich jetzt in einen Steilhang. Und da soll ich auf einer Enduro aufrecht stehend runter? Der Ehrgeiz ist gepackt. Bremse sauber dosieren und ein Gefühl bekommen. Nur nicht mit blockierenden Reifen rutschen, aber auch nicht den einfach so runterrasseln. Gleich beim ersten Mal geschafft wie gewollt. Gleich wieder hoch und runter. Klappt immer besser, macht jede Menge Spaß und ist echt anstrengend. Jetzt die steilere Auffahrt nehmen und auch mal mit Schwung den Hang runter. Die gesamte Gruppe kommt immer besser klar und so geht es wieder ab auf Mallorcas Geländepfade. Mit Schwung geht es über ausgewaschene Feldwege und schmale Wanderpfade. Johannes hat die Strecke sehr überlegt ausgewählt. Keiner ist überfordert und doch fühlt man sich ein wenig wie ein Ralleyteilnehmer. Spätestens die Durchfahrten durch knietiefe Pfützen verwandeln den Asphaltcowboy in einen Geländegänger. Doch Johannes hält auch was für die großen Jungs und Mädels parat. Uns genügte schon der Anblick der steilen Auffahrt, die ich nicht mal hochlaufen wollte. Solche Hänge bezwingt meine Wenigkeit normalerweise mit Gondel oder Sessellift.

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Text: Matthias Hirsch

Bilder: Peter Wahl