Motorradtour Griechenland

Motorradtour Griechenland


Griechischer Wein...

... ist leider während der Fahrt tabu. Aber Abends kann man sich „das Blut der Erde“ schon mal schmecken lassen. Schon lange hatten wir damit lieb geäugelt Griechenland mit dem Motorrad zu besuchen. Nun ist es endlich so weit, der Reihenvierzylinder surrt auf der Autobahn wie eine Turbine dem Süden entgegen. Das Ziel ist der Fährhafen in Venedig.

Die Überfahrt

Die Fährangestellten winken uns und die übrigen Motorradfahrer an den Autoschlangen vorbei nach vorne. So fahren wir als erste in den riesigen Schlund der Fähre. So ganz leer wirkt der Frachtraum noch riesiger. Man bedeutet uns die Bikes möglichst Platz sparend unter einem Aufgang abzustellen. Als dies geschehen ist nehmen wir noch ein paar Utensilien mit und gehen an Deck. Die Überfahrt dauert 24 Stunden. Da wir sehr spät gebucht haben war keine Kabine mehr frei, wir müssen also wie viele andere an Deck ein Plätzchen mit dem Schlafsack suchen, aber zunächst bestaunen wir die Aussicht auf Venedig. Der Fährhafen hier ist wahrscheinlich einzigartig. Die riesigen Fährschiffe fahren durch den Kanale Grande aufs Meer hinaus. Das Wetter ist zwar nicht optimal aber der Blick auf die Bauwerke der Lagunenstadt ist grandios. Auf dem Meer leisten wir uns erst mal ein Gyros, dann suchen wir einen Schlafplatz. Es sind viele Studenten an Bord, es wird fast die ganze Nacht durchgefeiert - Schlafen geht hier nur wenige Stunden. 

Ioannina

Nachdem uns die Fähre wieder ausgespuckt hat, fahren wir leicht übermüdet nach Ioannina. Es sind zwar nur ca. 120 km, die Strecke durch die Berge, die ich ausgewählt habe ist kurviger als ich dachte und so kommen wir ein wenig geschafft in der Stadt am Pramvotis See an. Die Stadt am See mitten im griechischen Festland gefällt uns so gut, dass wir beschließen hier zu bleiben. Wir fragen einen Tankwart nach einem Hotel. Die Verständigung klappt obwohl ich kein Wort griechisch kann und so stehen wir wenig später vor einem passablen Hotel in dem wir auch einchecken. Wir fühlten uns dort so wohl, dass wir alle Touren von diesem Standort aus fuhren.  Ioannina ist eine kleine Universitätsstadt deren Flair uns gefesselt hat. Auch historisches läßt sich hier entdecken, die Altstadt mit Stadtmauer ist noch vollständig erhalten. Auf dem See liegt eine Insel, die man mit einer kleinen Fähre für wenig Geld erreichen kann. Dort ist das Ali Pascha Museum zu besuchen, das Museum ist in dem Gebäude errichtet, in dem man den Löwen von Ioannina, wie der Herrscher genannt wurde, ermordet hat. 

Nekromanteon das Reich der Toten

Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf, um über Fillipiada, Arta und Prevezza und Nikropolis nach Mesopotamo zu fahren. Das Nikromanteon liegt in der Nähe des Ortes. Nach einem kurzen Fußweg, auf dem eine frei lebende, sozusagen „wilde“ Landschildkröte unseren Weg kreuzt, kommen wir an dem mystischen Eingang ins Totenreich an. Zunächst sieht man eine orthodoxe Kapelle, die in der Christianisierung hier errichtet wurde. Im Inneren des Kirchleins staunen wir über die alten Fresken, die die Wände zieren. Unweit der Kapelle kann man ins Totenreich hinab steigen. Zu sehen gibt es einen kleinen dunklen Raum. Die griechischen Priester der Antike haben hier wohl unter Zuhilfenahme von Drogen und Lichteffekten den Leuten vorgegaukelt, dass hier die Seelen der Verstorbenen umher wandern. Eine kurze Pause am schönen Strand von Parga muss als Abwechslung zum kulturellen Teil noch sein. Ein bisschen in der Sonne liegen, baden und die Seele ein wenig baumeln lassen . Im Anschluß daran starten wir unser Zweirad wieder und genießen die Kurven, die uns über Kanaliki wieder zurück führen. Das Wetter ist herrlich, der Teer griffig, der Motor singt seine wunderschöne Melodie und ich fühle mich beinahe schwerelos. Das ist Motorrad fahren wie es mir gefällt.

Dodona

Eine schöne kurvenreiche Straße führt uns zunächst nach Dodona. Wir besichtigen die Ruinen einer großen römischen Zirkusarena, die von den Römern in unmittelbarer Nähe der bereits vorhandenen griechischen Kultstätten errichtet wurde. Auch die Reste der griechischen Tempel sehen wir uns an. Nach der Besichtigung der antiken Stätten wollen wir wieder das Vibrieren des Motors spüren und setzen uns in Bewegung. Wir fahren einfach durch die Gegend, einige Kurven später bleibe ich stehen um auf der Landkarte die beste Strecke zurück zu suchen. Das Kartenstudium erübrigt sich jedoch als eine Gruppe Kirchgänger zu Fuß das schmale Sträßchen entlang kommt. Eine der ganz in Schwarz gekleideten älteren Damen spricht uns auf Deutsch an und fragt ob sie helfen kann. Als ich ihr unser Ziel auf der Karte zeige, meint sie es gut und will uns den einfachsten Weg dahin erklären. Ich deute auf eine andere, mir interessant erscheinende Straße auf der Karte, eifrig winkt sie ab. Gestenreich will sie mir abraten: „Nix gute Straße - viel bergig, viel Zicki Zacki.“ Sie malt dabei viele Kurven mit ihren Fingern in die Luft. Ich muss lächeln und bin mir sicher, diesen Weg muss ich wählen.  Etwa zwei Stunden später kommen wir mit breitem Grinsen im Gesicht in Ioannina an. Die Fahrt war ein echter Genuß.