Motorradtour durch das Appenzell

Motorradtour durch das Appenzell


Käse mit Schoggi

Ganz gleich, ob Sie nun Schweizer Käse mögen oder nicht - das Appenzell hat nicht nur geschmacklich viel zu bieten. Fein herausgeputzte Dörfer inmitten hügeliger Weiten verbunden durch 1001 Kurven. Und ein paar Pässe gibt es auch – insgesamt echt lecker also.

Machen Sie auch gerade eine Diät? Ist der Reißverschluss Ihrer Lederjacke im Bereich des Äquators auch bis zum Bersten gespannt? Dann sollten Sie - um nicht auf ungesunde Gedanken zu kommen - diese nun folgende Geschichte vielleicht erst in ein paar Wochen und in der Nähe Ihres persönlichen Wunschgewichtes weiterlesen. Denn diese Geschichte entführt uns in das Appenzell, einem der wohl lieblichsten Kantone der Schweiz. Nun gut werden Sie an dieser Stelle fragen, wo liegt denn das Problem? Das liegt in der Kombination aus Käse und Schokolade! Dieses Appenzell ist nicht nur die Heimat des gleichnamigen würzigen, vollmundigen Käses, es ist auch die Heimat feinster Schweizer Schokolade. Und an beiden Kalorienbomben kommen Sie bei einer ausführlichen Erkundung dieser Region zwischen Boden-, Zürich- und Walensee kaum vorbei. Wetten!

Doch der Reihe nach. Wie so oft mitten im Thema haben wir unsere Zelte im 6000 Seelen Ort Appenzell aufgeschlagen. Umrahmt von sattgrünen Hügeln und dem Flüsschen Sitter, zu Füßen des mächtigen Säntis ist vor allem das verkehrsberuhigte Zentrum Appenzells ein optisches Juwel. Der Spaziergang durch die engen Gassen mit ihren knallbunten Bürgerhäusern gleicht einer Zeitreise durch die Schweiz vor einhundert Jahren.

Altstetten Altstadt

Herrlich buntes Rebellenland

Hinein ins landschaftliche Herz des Appenzell führt unsere erste Tagestour. Über Gonten- und Jakobsbad schwingen wir früh am Morgen nach Urnäsch. Hier wohnen immer schon ganz besonders rebellische Schweizer. Die gregorianische Kalenderreform aus dem 16. Jahrhundert schlichtweg für unsinnig erklärend, feiert man den Jahreswechsel hier seit je her am 13. Januar nonkonformistisch und original julianisch mit dem sehenswerten Umzug der sogenannten Silvesterkläuse. Uns aber zieht es jetzt Mitte Juni hinaus in die Landschaft. Über die Schwägalp geht es in herrlichen Rechts-Links-Kombinationen hinauf zum Chräzerenpass. Dessen Pisten gehören vor allem an Wochenenden Bikern aus der gesamten Nordschweiz, die Talstation der Säntisbahn ist der bekannteste Töfftreff der Region.

Über Wattwil und Hemberg treibe ich das Bike anschließend durch eine sehenswerte Bauernhaus-Idylle abseits jeglicher Hektik. Erst die Nähe zu St. Gallen beschert uns später am Tag wieder deutlich mehr Verkehr und sogar ein paar rote Ampeln. Nichtsdestotrotz ist so ein Besuch St. Gallens empfehlenswert, vielleicht aber als separate Tagestour. Wir pendeln lieber ganz gemütlich heim nach Appenzell – und zu einem erinnerungswürdigen Sundowner: natürlich oben am Töfftreff beim Eggli. 1.200 Meter hoch im Herzen des Appenzell liegt der berühmte Bikertreff – das Berggasthaus „Eggli“ von Astrid und Emil. Hier leben Mensch und Tier auf historischem Boden in urigem Ambiente garniert mit einer mehr als grandiosen Aussicht auf die ganze Pracht des Appenzeller Landes. So schön, dass man gar nicht wieder abreisen möchte.

Appenzeller Land

Käsiges Geheimnis

Nach einem ausgiebigen Frühstück wollen wir das östliche Appenzell erkunden, schwingen über Steig und Rapisau nach Stein. Dort angekommen dirigiert mich meine beste Sozia im Rücken mittenmang ins Zentrum des unscheinbaren Dorfes, genau vor die sich wie zufällig soeben öffnenden Pforten der Appenzeller Schaukäserei. Ich ahne sofort - hier kommst du ohne ausführliches Probieren nicht mehr weg.

Eggli Berg Gasthaus 02

Ist doch jener Appenzeller Käse die berühmteste Spezialität der Schweiz. Ein echtes Geheimnis umgibt übrigens auch seine Reifung in den speziellen Kellern. Dort werden die Riesenlaibe gelagert, gewaschen, gedreht und mit einer speziellen Kräuteressenz behandelt, die ein wohl gehütetes Firmenrezept ist. Täglich von 9-14 Uhr wird live „gekast“ und im angrenzenden Shop gibt es wie zufällig Käseleckereien in wahrer Hülle und Fülle. Kleine Häppchen als Appetizer und mächtige Portionen als käufliches, kalorienreiches Souvenir. Pappsatt brauche ich anschließend beinahe die Drehleiter der Dorffeuerwehr, um wieder in den Sattel unseres Mopeds zu klettern. Meine Mopedjacke lasse ich vorsichtshalber für die nächsten Stunden offen, denn der Reißverschluss hat auch schon so einige Jahre auf seinen Zähnen.

Kaeseproduktion Reifekeller

Kurvenhatz vom Feinsten erwartet uns anschließend. Über Teufen und Speicher düsen wir nach Heiden, das Land wird flacher und immer wieder riecht es bereits nach dem naheliegenden Schwäbischen Meer, dem Bodensee. Wir kehren um, über Trogen geht es zum Ruppenpass und weiter nach Altstetten mit bildhübscher Altstadt und zahlreichen Kneipen und Cafés. Kurz vor Appenzell lockt uns dann ein grandioser Sundowner nochmals hinauf zur Schwägalp, zu Talstation der Säntisbahn. Rappelvoll sind Parkplatz und Restaurant, unzählige Biker haben an diesem Abend die gleiche Idee, wie wir. Toll!.

Verschworenes Völkchen

In prächtigen Rechts-Links-Kombinationen geht es anderntags über fahnengeschmückte Dörfer in den Westen des Appenzells, über Will und Uzwil gelangen wir nach Flawil. Und dort passiert es erneut: Sozia Kirsten führen mich direkt zum Schoggi-Land, zu den Hallen der Firma Maestrani, einem der traditionsreichsten Schokoladenhersteller der Schweiz. Und wie zufällig kann man auch hier die Herstellung feinster Schweizer Schokolade besichtigen. Aus Reinheitsgründen zwar hinter Schauglas, doch alle paar Meter stehen Behälter mit kleinen, kalorienreichen Kostproben der Firma Maestrani. Und nebenan im riesigen, herrlich duftenden Shop - ja Sie ahnen richtig - da kann man alle Produkte zu günstigen Outlet-Preisen erwerben.

Saentis Gipfel

Aber seien wir ehrlich: Den Geheimnissen der echten Schweizer Schokolade auf den Grund zu gehen gehört einfach zu meiner journalistischen Pflicht - koste es so viele zusätzliche Schwimmringe, wie es eben wolle. Perfekt verproviantiert nehmen wir am späten Nachmittag Abschied von der Heimat des Käses und der Schokolade. Wie gut, dass dieses liebliche Appenzell gerade einmal drei Katzensprünge von meiner Haustür entfernt liegt. Da kann man ja immer mal wieder vorbeischauen, sobald Schoggi- und Käsevorrat zur Neige gehen...

Urnaesch Bürgerhaus