Motorradtour durch Oberösterreich

Motorradtour durch Oberösterreich


Vielfalt lautet das Motto

Oberösterreich ist nicht nur das viertgrößte Bundesland, es bietet mit seinen abwechslungsreichen Landschaften auch den perfekten Einstieg in die Vielfalt des gesamten Nachbarlandes. Von den Hügeln des Mühlviertels bis zu den Eisenwurzen im Süden gibt es ungeheuer viel zu erkunden. Lassen Sie uns ohne lange Vorrede aufbrechen.

Das Mühlviertel ganz intensiv

Begrenzt von der Donau im Süden, von Bayern im Westen, Tschechien im Norden und Niederösterreich im Osten stammt der Name des Mühlviertels nicht – wie man annehmen könnte – von einer dort existierenden Vielzahl an Mühlen. Nein, die Flüsse „Steinerne Mühl“ sowie „Große“ und „Kleine Mühl“ sollen dem Landstrich seinen Namen gegeben haben. Ja Mühlen sucht man dort sogar weitestgehend vergebens.

Die Kernregion des Mühlviertels steht am ersten Tag ganz dick auf meinem Roadbook. Von Freistadt aus treibe ich meine Varadero mitsamt Sozia entgegen dem Uhrzeigersinn einmal durch das sehenswerte Herz dieser idyllischen Landschaft, wir streifen bei Linz das gewaltige Donautal und pendeln in den waldreichen Höhenzügen des Mühlviertler Ostens aus. Und zum fahrerischen Geheimtipp im Mühlviertel erzähle ich im Infoteil noch mehr: Stichwort Güterwege - unbedingt ausprobieren!

Donau

Gut 500 Meter südlich des Ortes Reichenthal erhebt sich gleich nach unserem Tourenstart das Schloss Waldenfels, eine imposante Heimstatt aus dem 13. Jahrhundert, die immerhin seit 1636 durchgängig im Besitz einer Adelsfamilie steht. Das nenn ich konsequent! Über Bad Leonfelden und Helfenberg pendeln wir gemütlich durch den Mühlkreis, wie das Mühlviertel auch genannt wird. Sankt Veit und Gramastetten führen uns dann von Norden in den „Dunstkreis“ der Stadt Linz. Sie ist nicht nur die Landeshauptstadt Oberösterreichs, sie ist mit gut 190.000 Einwohnern nach Wien und Graz auch die drittgrößte Stadt Österreichs. Und sie ist die wohl einzige Stadt des Landes, nach der sogar ein eigener Asteroid benannt wurde – der Asteroid Nr. 1469 mit dem Namen „Linzia“. Die Linzer Sehenswürdigkeiten listen so interessante Stationen auf, wie die Wallfahrtsbasilika Pöstlingberg, die Pöstlingbergbahn, immerhin die wohl steilste zahnradlose Bergbahn der Welt oder auch den größten Stadtplatz an der Donau mit Dreifaltigkeitssäule und sehenswertem alten Rathaus.

Eisenwurzen

Auf der morgigen Runde wollen wir Linz noch einen ausgiebigeren Besuch abstatten, deshalb bleiben wir heute schön „on Track“ und nördlich der Donau und widmen uns über Wartberg und Gutau noch einmal den Mühlviertler Landstraßen. Diesmal intensiv und auf freier Fahrt. An jeder Kreuzung wählen wir ganz spontan einfach den schönsten Abzweig und folgen erst spät am Abend den Wegweisern retour nach Freistadt.

Zwischen Eisen und Wasser

Von Steyr aus dem Eisenwurzenland steigen wir anderntags noch einmal hinab in die Donauauen und folgen dem zweitlängsten Strom Europas ein gutes Stück bis zur Landeshauptstadt Oberösterreichs, bis nach Linz. Dazu geht es über Sankt Peter in der Au und Seitenstetten zunächst einmal nach Wallsee mit seinem markanten Schloss direkt im mächtigen Donautal. 2190 km ist er lang, der bekannteste Strom Europas und eine der wichtigsten Lebensadern. Gleich hinter Wallsee queren wir die Donau über die Brücke nach Mitterkirchen im sogenannten Marchland.

Freistadt Stadtplatz

Das malerische Ortsbild von Perg wurde zwar im Mittelalter durch mehrere verheerende Brände weitgehend vernichtet, enthält mit Pfarrkirche und Seifensiederhaus dennoch zwei sehenswerte Relikte. Heutzutage ist Perg immerhin die größte Stadt des Mühlviertels und ein Boxenstopp mit vielen Möglichkeiten zu einem leckeren Einkehrschwung.

Über winzige Landstraßen geht es anschließend nach Schwertberg und weiter über Sankt Georgen an der Gusen nochmals nach Linz, der Landeshauptstadt. Zugegeben ein echt hartes Kontrastprogramm zu dem bisher eher gemütlich verlaufenden Tourentag. Wir schauen uns intensiv um und schwingen anschließend wieder gen Süden aus der Stadt hinaus nach Sankt Florian. Sofort tickt auch unsere Mopeduhr wieder deutliche gemächlicher, über Neuhofen an der Krems erreichen wir dann abends wieder Steyr.

Liebenau Tanner Moor Idylle

Ein Blick ins Land der Eisenwurzen

Das Land der Eisenwurzen, der Eisenschmieden ist so reich an Geschichten, wie kaum eine Region Österreichs. Für den letzten Tourentag liegt es direkt vor unseren Reifen, überrascht uns mit andersartigen Landschaften und unzähligen Möglichkeiten, abseits des Mopedsattels tief in ihre eisenharte Geschichte einzutauchen.

Waidhofen

Über Pfarrkirchen und Grünburg geht es nach Süden, dann sogleich zu einer ersten Geschichtsstunde nach Micheldorf: Direkt mitten im beschaulichen Örtchen liegen die Hallen des Oberösterreichischen Sensenschmieden-Museums, den ehemaligen Fabrikgebäuden des Sensen-Unternehmers Caspar Zeitlinger, einem der legendären „Schwarzen Grafen“, wie die Besitzer der Sensenschmieden ob ihrer Heerscharen an feuerverrußten Arbeitern genannt wurden. Unbedingt besichtigen: Spannender kann Geschichte nicht präsentiert werden.

Am Ostufer des Klauser Sees huschen wir weiter gen Süden, über das sehenswerte Städtchen Windischgarsten, in dem 1170 sogar Kaiser Friedrich Barbarossa mit großem Gefolge und Tamtam nächtigte, beginnen wir mit der „Eroberung“ des Hengstpasses. Dessen gut 1.000 Höhenmeter sind allerdings eher Genuss denn Arbeit. Und den Rest unseres Tourentages widmen wir einem Fluss – der Enns – und folgen ihr auf dem Weg über Weyer, Großraming und Ternberg retour nach Steyr durch unzählige Dörfer und Ansiedlungen fernab von Hektik, Stau und roten Ampeln. Dafür mit einer prallen Geschichte aus jenen mühsamen Tagen der „Schwarzen Grafen“ – also mühsam vor allem für ihre Arbeiter, weniger für die Grafen selbst – wie so oft...

steyr