Motorradtour Niederösterreich

Motorradtour Niederösterreich


Dreivierteltakt

Niederösterreich mit seinem Wein- und Waldviertel sowie die Hauptstadt Wien sind für viele das eigentliche Herz des Landes. Eingebettet zwischen horizontweiten Rebenhängen und verwunschenen Wäldern finden Biker hier ein prächtiges Kurvenparadies – und das sogar fernab aller Großstadt-Hektik. Lassen wir uns ein wenig treiben zwischen Rot- und Weißwein, zwischen Sturm und Stille inmitten praller Geschichte.

Eine weite Hügellandschaft mit Wäldern, akkurat gepflügten Feldern, perfekt gezirkelten Rebenhängen sowie mäandrierenden Bächen breitet sich vor dem Windshield unserer RT aus. Allerorten grüßt bereits der Herbst, beginnt das Land mit seinen Farben zu verzieren – eine herrliche Zeit für eine farbenfrohe Geschichte.

Diese beginnt eigentlich schon gestern Abend, als wir nach kurzweiliger Autobahnhatz unsere „sieben Sachen“ im Landgasthof vor den Toren von Krems verstaut haben. „Sturmzeit“ ist allerorten und wer dabei an die rauen Herbstwinde denkt, der liegt mächtig falsch. Der Weinviertler Sturm ist der neue Wein, der Traubenmost, der gerade erst begonnen hat zu gären. Doch Vorsicht: So leicht und spritzig dieser „Federweiße“ auch schmecken mag, sein durch die Süße überlagerter Alkohol hat es durchaus in sich. Falls Sie also dem Wahlspruch vieler Niederösterreicher folgen und zur Sturmzeit so viele Gläser trinken, wie Sie Jahre auf dem Buckel haben, dann sollten Sie nicht nur abends das Moped in der Garage lassen, sondern auch das Bikerfrühstück anderntags mit einem Alkotest beginnen.

Fruchtbares Weinland

Keinerlei Sturmschäden

Gänzlich frei von Sturmschäden treibe ich unsere BMW in den jungen Tag. Über kleinste Landstraßen schwingen wir nach Hollabrunn im Herzen des Weinviertels. Rund um die mächtige Pfarrkirche lädt eine quicklebendige Altstadt zum ersten Boxenstopp. So unscheinbar der erste Anblick des Städtchens Wolkersdorf wenige Kilometer weiter auch sein mag, lassen Sie sich dadurch nicht täuschen. Das „Tor zum Weinviertel“ sammelt nur so die Auszeichnungen: Jugendfreundlichste Gemeinde Niederösterreichs - Klimafreundlichste Gemeinde in NÖ - Gesunde Gemeinde Niederösterreich – und so weiter. Auf dem Marktplatz gönnen wir uns erneut einen kurzen Boxenstopp, bevor es entlang prächtig herausgeputzter Häuserzeilen wieder hinaus in die Weite der Landschaft geht. Endlose Rebenhänge dösen unter einem weißblauen Spätsommerhimmel und versteckt hinter bereits herbstlich angehauchten Bäumen liegen hübsche Kellergassen rechts und links des Lenkers. Ihr Ruf prägt das Weinviertel, wie wohl kaum eine andere historische Eigenart.

Gmuend

Die Weinviertler Kellergassen

Sie liegen meistens irgendwo am Rand des historischen Dorfkerns, sie sind nur wenige Meter breit und ihre eigentlichen Schätze liegen hinter fensterlosen Türen tief unten in der gleichmäßig kühlen Erde. Doch im Alltag besitzen sie einen ebenso wichtigen Platz, wie die Kirche oder der Dorfwirt. Denn in den Kellergassen wird nach der Weinlese gearbeitet bis spät in die Nacht, hier wechseln Weine, ja ganze Jahrgänge traditionell nur mit dem Handschlag der Beteiligten besiegelt den Besitzer und anschließend wird jeder Handel ordentlich gefeiert. Deshalb sind die Kellergassen das oftmals unbekannte Aushängeschild des Weinviertels.

Hadres Kellergasse 02


Wahrlich blutgetränkten Boden erreichen wir am Nachmittag in Jedenspeigen, ganz im Osten Niederösterreichs unmittelbar an der Grenze zur Slovakei. 60.000 Soldaten standen sich hier 1278 gegenüber, Rudolf I. von Habsburg vernichtete Ottokar II., König von Böhmen, in einer der größten Ritterschlachten Europas und legte den Grundstein der Habsburger Herrschaft in Österreich. Das muss ein Gemetzel gewesen sein! Durch eine weite Hügellandschaft schwingen wir im letzten Licht des Tages retour in unsere Herberge.

Geschichte zum Anfassen

In den Norden des Weinviertels führt unsere zweite Tagestour. Groß und mächtig drapiert sich Schloss Maissau aus dem 12. Jahrhundert wenig später vor dem Windshield der RT, ein Schmuckstück, für dessen Kauf ich sogar mein Bankkonto überziehen würde. Erneut begleitet uns anschließend wahres Kaiserwetter auf dem weiteren Weg nach Hadres. Farbenfrohe Kellergassen empfangen uns dort, weite Felder mit sauber aufgereihten, erntereifen Kürbissen setzen leuchtend gelbe Kontraste in das noch grüne Weinlaub und ein Rathaus frei nach dem Motto „man gönnt sich ja sonst nichts“ begeistert uns in Laa an der Thaya. Riesig, prachtvoll und pompös wurde es aus Anlass des 50-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. 1899 für damals schlappe 140.000 Kronen erbaut. Toll!

Hardegg

Kontrastprogramm unter Bäumen

Einen fahrerischen und landschaftlichen Kontrapunkt setzt das westlich angrenzende Waldviertel. Frühmorgens begeben wir uns auf Entdeckungsfahrt schnurstracks gen Norden. Über Schönberg an der Kamp geht es nach Pulkau im gleichnamigen Tal, wahrlich fließend ist auch hier die Grenze zwischen Wein und Wald. Retz unmittelbar vor der tschechischen Grenze empfängt uns mit einem imposanten Marktplatz, übrigens einem der schönsten und größten Österreichs. Durch das Tor des „Verderberhauses“ schwingen wir in ein Ensemble aus schön restaurierten Barock- und Biedermeierbauten entlang historischer Kopfsteinpflastergassen.

Nieder Oesterreich Land


Im Niemandsland der Grenze zu Tschechien geht es anschließend für eine kleine Kurvenhatz nach Riegersburg am Rand des Nationalparks Thayatal. Mein Tipp: Folgen auch Sie dort unbedingt dem Wegweiser zur Burg Hardegg. Hoch über dem Flüsschen Thaya erhebt sich die gewaltige Trutzburg, bereits von außen macht das Bollwerk mächtig viel her.
Waldviertel

Über Waidhofen an der Thaya und Heidenreichstein mit seiner einzigartigen Wasserburg mitten im Ort neigt sich unser Tourentag mit Riesenschritten seinem Ende entgegen. Viel gäbe es noch zu entdecken hier zwischen Wein und Wald, aber morgen erwartet uns noch das Wiener Umland. Zugegeben, rund um Österreichs Hauptstadt ist das Land ganz schön dicht besiedelt. Doch auch hier gibt es landschaftlich schöne, überraschend kurvenreiche Strecken zu entdecken. Ja die folgende Tagestour gehört zu den kurvenreichsten Niederösterreichs.
Man mag es kaum glauben...

Der Wienerwald und Wien

Er ist das beliebteste Naherholungsgebiet der Wiener, er ist eine wichtige grüne Lunge der Großstadt. Und er ist ein prächtiges Kurvenrevier!
Übrigens: Diese Runde pendelt vor den Toren Wiens aus, falls auch Sie eine Großstadt-Visite planen, fahren Sie diese Runde etwas zügiger, um abends mehr Zeit zu haben für Wien. Durch das Herz des Wienerwaldes schwingen wir frühmorgens hinaus in die Landschaft. Winzige Landstraßen führen uns kurvenreich nach Sankt Pölten, der Hauptstadt und zugleich größten Stadt Niederösterreichs. Am Ostrand der Wachau – übrigens seit 2000 UNESCO Weltnaturerbe – schwingen wir zur Donau und ihrem gewaltigen Bett. Über Tulln und Sankt Andrä-Wördern erreichen wir dann Klosterneuburg, nicht ohne vorher noch einen Blick auf die Lourdesgrotte in Maria Gugging zu werfen. 1925 wurde in einem Steinbruch jene Nachbildung der berühmten Marienwallfahrt in den Pyrenäen errichtet.

Wolkersdorf

Von Klosterneuburg am Donauufer geht es dann zu einem letzten Ritt durch den Wienerwald über Purkersdorf und Breitenfurt rund um den westlichen Stadtrand von Wien. Dann setzen wir den Blinker links und gönnen uns die historischen und touristischen Schätze der weltberühmten Hauptstadt. So viel Zeit muss sein...