Mit dem BMW C1 durch Schottland

Mit dem BMW C1 durch Schottland


Lochs, Glens & Bens

„Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis“ und wenn das Reisen mit dem C1 so gut geht, wird man übermütig. So ging es auch Torsten und mir. Am 15. Oktober machten wir uns auf dem Weg nach Schottland.

„Schottland im Oktober? - Ist das Wetter nicht viel zu schlecht?“ sind wir des öfteren gefragt worden. Tatsächlich sagt der Reiseführer in Kapitel Wetter/Klima für Oktober im Durchschnitt dreizehn Regentage voraus. Der trockenste Monat soll der Juli mit etwa neun Regentagen sein!?

Entsprechend ausgerüstet führte uns der Weg von Husum über Heide, Meldorf, Brunsbüttel nach Glückstadt. Von da per Fähre über die Elbe nach Wischhafen und dann bei strahlendem Herbstwetter über Land nach Cuxhaven. Auf der „Admiral of Scandinavia“ schifften wir uns ein, um über Nacht nach Harwich zu gelangen. Nicht die ideale Verbindung, aber die Fähre Esbjerg-Newcastle war vor kurzem eingestellt worden.

Nach einer stürmischen, unruhigen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück kamen wir mit einer Stunde Verspätung an. Den Versuch den kürzesten Weg nach Norden zu nehmen, gaben wir wegen der verschlungenen und verschmutzten Nebenstraßen Südenglands schnell wieder auf. Statt dessen fuhren wir Landstraßen, so dass uns unser Weg an diesem Tage über Bury St. Edmunds, March, Boston, die Humber Bridge und Beverley bis nach Bridlington führte. Dabei erlebten wir immer wieder den für diese Landschaft typischen leichten englischen Regen, der selten länger als eine halbe Stunde dauerte, dafür aber häufiger auftrat. Als C1 Fahrer quittierten wir solches mit einem Lächeln und einer kurzen Bewegung des rechten Daumens Richtung Scheibenwischerschalter. Übernachtet wurde in einem sehr „cousy“ Bed & Breakfast.

 

English Breakfast

Der Donnerstag begann mit einem original englischen Frühstück und einer landschaftlich reizvollen, weil abwechslungsreichen Etappe über Whitby bis vor Middelsbrough. Wer Kreisverkehre mag, würde bei der folgenden Umgehung der Industriemetropole aus Middelsbrough, Stockton-on-Tees und Billingham voll auf seine Kosten kommen. In Sedgefield wurden unsere BMW’s, wie bei fast jedem Stop interessiert zur Kenntnis genommen. Hier waren es zwei Polizisten, die uns beim Snack im Schnellrestaurant ansprachen. Wie gewohnt entspann sich eine rege Diskussion über Höchstgeschwindigkeit, Witterungsschutz, Fahrverhalten, Preise usw. Das Thema Helm bzw. Helmbefreiung wurde nicht berührt. Über Durham erreichten wir bei Cousett die A 68 Richtung Norden. Zwischen Ridsdale und Elishaw gibt es besonders viele und schöne „blind summits“, die C1 fahren noch schöner machen als eine Achterbahn-Partie. Beim Abstecher in den Redesdale Forest erfuhren wir von einem der Waldarbeiter, dass die pelzigen, grauen Tiere, die häufig überfahren auf und an der Straße liegen, Eichhörnchen und keine Ratten sind. Auf der britischen Insel soll das graue Eichhörnchen das rotbraune fast vollständig verdrängt haben.

 

Willkommen in Schottland

Am Carter Bar verließen wir England und damit auch den Northumberland Nationalpark und fuhren nach Schottland. Entlang der Straße waren Unmengen von stationären Radarkontrollen und Überwachungskameras montiert. So ständig unter den Augen des Gesetzes, erreichten wir bei angenehmem Herbstwetter und großartiger Laubfärbung der spärlichen Wälder die Vororte Edinburghs. Bei „Patricia“ wurde zum B&B eingecheckt und kurze Zeit später brachen wir ins abendliche Edinburgh auf. Wie in allen anderen Großstädten herrscht zum Feierabend das normale Verkehrschaos. Zu Fuß erforschten wir die „Royal Mile“, die Straßenzeile zwischen dem Edinburgh Castle und dem Holyrood Palace. Zum Shoppen war es zu spät, aber dafür gab es ein zünftiges Abendessen in dieser, von jungen Leuten geprägten Stadt.

Auch das Frühstück war von bester schottische B&B Qualität. Bei Raureif und zwei Grad Lufttemperatur starteten wir in den neuen Tag. Noch ein kurzer Shopping-Stop im Stadtzentrum und dann ging es bei schnell steigenden Temperaturen auf der Forth Bridge parallel zur berühmten Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth nach Norden. Auf der Autobahn ist es bis Perth ein Katzensprung. Als wir die Stadt nach Norden verließen um in die Highlands zu kommen, warnten Hinweisschilder davor, mit zu wenig Treibstoff oder unausgeruht aufzubrechen. Wir wählten die westliche Route über die Landstraße A9, vorbei an Dunkeld am Tay mit der schon 1809 erbauten Brücke über den River Tay und Pitlochry mit dem Wasserkraftwerk und der Lachsleiter über dem Pass of Killiecrankie. Warum dieser unbedeutende Teil einer gut ausgebauten Straße den Namen Pass verdient, blieb uns unklar. Auch sonst war die Fahrt durch die Highlands unspektakulär und der Tacho des C1 125 viel niemals unter 80 km/h. So dahin rollend genossen wir die hügelige Landschaft, die wegen der spärlichen Vegetation oft den Blick in die Ferne erlaubt.

Blair Castle lässt erahnen, in welcher Pracht Teile des schottischen Adels über Jahrhunderte gelebt haben. Zügig erreichten wir Culloden vor den Toren von Inverness. Auf dem Culloden battelfield standen sich am 16. April 1746 die Schotten unter Prinz Charles Edward Stuart „Bonnie Prince Charlie“ und die Engländer unter dem Herzog von Cumberland „The Butcher“ gegenüber. In einer Schlacht, die kaum eine halbe Stunde gedauert haben soll, wurden die zuvor so oft siegesreichen Schotten in einem furchtbaren Massaker geschlagen und das gesamte Heer vernichtet. Es folgten Jahre englischer Gewaltherrschaft. Die Flucht „Bonnie Prince Charlies“ soll nur mit Hilfe der Flora MacDonald gelungen sein. Sie soll ihn in Frauenkleidern getarnt haben und wurde wegen ihres mutigen Einsatzes zur schottischen Nationalheldin.