Motorrdtour Steiermark

Motorrdtour Steiermark


Kurven-Rodeo

„Die Steiermark – wer sich ein Bild machen will, braucht viele Bilder.“ Lautet verheißungsvoll der Slogan des Steiermark Tourismus – und es ist sogar ein satter Funken Wahrheit enthalten. Denn Österreichs flächenmäßig zweitgrößtes Bundesland hat an Abwechslung wahrlich viel zu bieten – nicht nur den berühmten Erzberg.

Idealer Ausgangspunkt für diese Touren ist Leoben oder Bruck an der Mur im Herzen der Steiermark. In beiden Städten finden wir einerseits alle Annehmlichkeiten, die wir uns nach einem langen Tag im Sattel wünschen. Andererseits behindert aber auch kein morgendlicher Berufsverkehr unseren Drang hinaus in die Landschaft. Ach ja: Und falls Ihnen je 300 Tageskilometer doch zu viel sein sollten, können Sie beide Touren bequem einkürzen oder aber in jeweils 2 Abschnitte aufteilen.

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Ab in den Osten

Tour 1 widmet sich dem Osten des Landes, der Hochsteiermark. Dazu starten wir früh am Tag Richtung Süden nach Frohnleiten. Bevor wir uns aber am Nordrand von Graz verlieren, setzen wir den Blinker links Richtung Fladnitz und Passail. Die B64 muss in diesem Teilstück von Motorradfahrern geplant worden sein, anders lässt sich ihr Kurvenreichtum kaum erklären. Doch es kommt noch besser. Wir wenden uns dazu in Passail gen Norden und folgen den Wegweisern nach Naintsch. Schauen Sie hier einmal auf die Straßenkarte – jede einzelne Strecke trägt das berühmte „Grüne Band“. Und so gilt: Lassen auch Sie sich einfach eine Runde treiben, jeder Abzweig ist ein fahrerischer Leckerbissen. Sie können keine falsche Entscheidung treffen, solange die grobe Richtung Birkfeld lautet. Je nachdem, wie zügig Sie anschließend vorankommen wollen, bieten sich Ihnen hier nun zwei Alternativen zur Weiterfahrt an:  - Kurvenreich Richtung Mürztal, über Fischbach, Stanz, Kindberg und Mürzzuschlag nach Steinhaus am Semmering zu schwingen, eine berauschende Fahrt durch dichten Wald und über liebliche Lichtungen oder - Über Landau und den Pfaffen- und Fröschnitzsattel auf gut 1300 Höhenmetern ebenfalls nach Steinhaus am Semmering zu schwingen.

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Adel verpflichtet

Seit dem 19. Jahrhundert ist jener Ort Semmering auf der Grenze zwischen Niederösterreich und Steiermark ein beliebtes Sommer- wie Winter-Urlaubsdomizil der sogenannten „feinen Gesellschaft“ Wiens. Doch Semmering musste seinen Gästen auch etwas mehr bieten, als „nur“ Landschaft. So gab es bereits 1899 das erste Semmering-Bergrennen, eine inzwischen legendäre Motorsportveranstaltung damals für Autos und Motorräder, heutzutage vor allem für Oldtimer-Rallyes.

Bevor wir uns nun versehentlich aus unserem Thema Richtung Burgenland verabschieden, schlängeln wir uns über Breitenstein gen Norden nach Prein an der Rax sowie über den Preiner Gscheid, einen 1.100 Meter hoch gelegenen Sattel wieder nach Westen ins Herz der Hochsteiermark. Über die Niederalpl, einen 1223 m hohen Pass geht es nach Wegscheid, dort wenden wir uns Richtung Süden. Und erneut mag man es kaum glauben, auf einer Bundesstraße unterwegs zu sein, so reich an Kurven und Abwechslung ist die Fahrt retour zu unserem Ausgangspunkt.

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Nochmals volles Programm

Unsere zweite steirische Runde widmet sich der Südsteiermark sowie dem westlich angrenzenden Murtal und beweist die schier unerschöpfliche Vielfalt der Steiermark. Kurvenreiche Weinstraßen, liebliche Täler und schattige Wälder wechseln innerhalb weniger Kilometer. Aus Bruck hinaus pendeln wir nochmals gen Süden. Diesmal bleiben wir allerdings in Frohnleiten „on track“ und setzen erst im südlich anschließenden Deutschfeistritz den Blinker rechts Richtung Geistthal und Eggartsberg. Umgehend haben wir die Piste nahezu ganzjährig für uns allein, können stets auf der Ideallinie herrlichem Kurvenrausch frönen.

Über St. Bartholomä und Stallhofen erreichen wir bald darauf Voitsberg, eine ehemalige Bergbausiedlung inmitten des weststeirischen Berg- und Hügellandes. Oben vom Berg grüßt die Burgruine zu uns herab, deren hoch authentische Burghofspiele jedes Jahr viele Besucher in die historischen Gemäuer locken. Weiter gen Süden geht es, und falls Sie sich über das steigende Verkehrsaufkommen wundern – nun, wir befinden uns hier im „Dunstkreis“ der Landeshauptstadt Graz.

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Das Verkehrsaufkommen nimmt deutlich zu an diesem Tourentag und so wenden wir uns in Deutschlandsberg nach Westen und tauchen ab in die waldreichen Hügellandschaften des Wandergebietes Weinebene. Und wieder sind die Grenzen fließend, im Städtchen Wolfsberg befinden wir uns bereits unbemerkt im Bundesland Kärnten. Doch halt: Lassen Sie uns die Steiermark erst noch würdig und intensiv erfahren. Dazu wedeln wir durch das liebliche Lavanttal nach St. Peter und weiter nach Judenburg und Knittelfels. Die Pestsäule auf dem Hauptplatz des Örtchens steht bereits wieder auf steirischem Territorium. Um die Südflanke des markanten Seckauer Zinkes, eines 2.400 m hohen Gipfels im Herzen der Steiermark machen wir uns gemütlich auf den Heimweg zum morgendlichen Ausgangspunkt in Bruck. Denn dort nördlich des Städtchens wartet noch einen Abstecher der ganz besonderen Art aus uns: der legendäre Erzberg, die alljährliche Kulisse des härtesten Enduro-Rennen Europas, des Erzberg-Rodeos. Und falls Ihr Tourentag nach immerhin 300 Kilometern diesen Abstecher nicht mehr erlaubt, , besuchen Sie den Erzberg einfach anderntags. Es gibt dort noch mehr als genug zu entdecken. (Alle Infos unter www.erzbergrodeo.at)

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Text und Bilder: Heinz E. Studt