Motorradspaß in der Eifel

Motorradspaß in der Eifel


Zu Gast beim Motorradwirt III

Verdammt laut sind die Boliden, die auf dem Nürburgring an uns vorbeidonnern und wenigstens einer von uns ist ganz froh, dass der Ring heute für Touristenfahrten gesperrt bleibt. Nicht, dass ich was gegen zügiges Fahren habe, aber ich möchte einfach nicht von „Tarnkappenbombern“ über den Ring gescheucht werden und dafür auch noch 22,- € für eine Runde bezahlen. Meine Begleiter sehen das anders und sind etwas ent-täuscht über die entgangene Möglichkeit sich mit anderen Bikern, Sportwagenpiloten und Reisebussen zu messen. Wir bleiben noch ein bisschen stehen, um dem Treiben auf dem Ring als Zaungäste beizuwohnen.

Vorher erkundeten wir die namensgebende Burg. Von den oberhalb der Ortschaft liegenden Burgmauern hat man einen sagenhaften Blick auf den Nürburgring, der inzwischen weit mehr ist als eine Rennstrecke. Museum, Achterbahn, Gastronomie machen das Gelände zur Erlebniswelt. Für uns Biker ist jedoch der Blick über die Eifel weitaus interessanter. Die vulkanische Aktivität prägt das Landschaftsbild und hat damit großen Einfluss auf den Motorradspaß in der Eifel, deren Straßen nicht für Touristenfahrten gesperrt sind, keine Nutzungsgebühr kosten und bei richtiger Wahl auch nur wenig Gegenverkehr bieten.
Bei unserer Weiterfahrt zum motorradfreundlichen Landgasthof Beim Holzschnitzer merken wir schon, dass es auf den Eifel-Straßen auch mehr zu entdecken gibt als Kiesbetten, Auslaufzonen und Leitplanken.
In Kelberg treffen wir erneut auf den vulkanischen Ursprung der Eifel in Form des Hochkelbergs, dem 675 m hohen, ehemaligen Vulkankrater. Nicht weit davon entfernt und doch einige Kurven später erreichen wir in Dreis-Brück unser Nachtquartier und obwohl es schon später ist, empfangen uns „Beim Holzschnitzer“ schon auf dem Parkplatz zahlreiche Bikes jeder Kategorie. Fahrer von Sportlern, Choppern, Tourern, Streetfightern und Enduros fühlen sich in der Eifel und insbesondere „Beim Holzschnitzer“ wohl, was auch an Eddy liegt.

Selbst begeisterter Motorradfahrer, Gastronom aus Leidenschaft, Mitbegründer der Biker-Connection, Eifelkenner und Freund von Richard Böhm vom Gasthof Am Turm und Friedrich Reinert vom Landgasthof Reinert ist er auch „Motorradwirt“ und damit dritter Gastgeber auf unserer Rundreise durch Taunus, Sauerland und Eifel.  

Als wir ankommen, ist das Restaurant und trotz einsetzender Abendkühle auch die Terrasse gut besetzt mit den Fahrern der geparkten Motorräder aber bei genauerem Hinsehen und Hinhören findet man auch ortsansässige Gäste, die zum Essen den Landgasthof „Beim Holzschnitzer“ wählen. Trotz der vielen besetzten Tische findet Eddy Zeit uns herzlich zu begrüßen, uns beim Unterstellen der Motorräder zu assistieren, die Begrüßungsbiere zu servieren und uns über die Dauer des Eincheckens und Frischmachens einen Tisch freizuhalten.    

Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und den Straßenstaub abgewaschen haben, ist es bereits dunkel und zu kühl um noch draußen zu sitzen. Ein Teil der Biker hat sich auf und davon gemacht aber die gebliebenen Übernachtungsgäste erfüllen das Restaurant mit Benzingesprächen, Kurvenlatein und guter Stimmung. Und Eddy ist voll in seinem Element. Er klönt, nimmt Bestellungen auf, serviert, ist an mehreren Tischen gleichzeitig und scheint genau zu wissen, wer woher kommt, welches Motorrad zu wem gehört und welchen Tourentipp er anbringen kann.

Ausgehungert wie wir sind, eröffnen wir den Abend mit Datteln im Speckmantel, bzw. Riesengarnelen im Knoblauchsud, um uns zum Hauptgang den Schnitzeln und Rumpsteaks zu widmen. Am Nachbartisch werden derweil Chicken Wings, Toast Hawaii und Currywurst serviert, doch was sich geradezu nach schwerem Fall von „Fleischeslust“ anhört, kann durch vegetarische Gerichte, Salate und kleine Portionen auch zur gesunden Ernährung werden! Motorradfahren macht durstig und so füllen diverse Kaltgetränke aus dem nahen Bitburg die Lücken in den Mägen. Als es so ganz langsam um uns herum ruhiger wird, findet auch Eddy noch Zeit sich zu uns zu setzen und spendiert erstmal eine Verdauungshilfe in Form von Eifel-rot. Es folgen noch Eifel-gelb und Eifel-blau… Nein, wir haben nicht die kleinen Tuschkasten-Farbpöttchen ausgeleckt, sondern destillierte Brombeeren, Mirabellen und Schlehen einem ausgiebigen Test unterzogen. Im Namen der Wissenschaft wurde es ein lustiger und sehr langer Abend!

Der nächste Morgen kommt schneller als gewünscht, aber erstaunlich munter treffen sich alle am Abend Beteiligten am Frühstücksbuffet. Auch Eddy steht irgendwann in Motorradklamotten neben unserem Tisch und fragt, wo wir denn endlich blieben – sein Motor sei schon lange warm, die ersten Fliegen erlegt und die Tour fertig geplant!

Also, auf geht’s: Über Daun fahren wir nach Wallenborn, unserem ersten Halt. Sensation der kleinen Ortschaft ist der „Brubbel“! Was sich ein bisschen nach einer Figur aus einer Kindergeschichte anhört, heißt eigentlich „Wallender Born“ und ist einer der ganz seltenen Kaltgeysire der Welt. Ähnlich wie in einer geschüttelten Mineralwasserflasche schießt hier das Wasser durch hochsteigendes Kohlendioxid etwa alle dreißig Minuten für fünf Minuten bis zu vier Meter aus der Erde. „Natürlich gibt es höhere Geysire, wie etwa der in Andernach“, berichtet die sehr engagierte Brubbel-Mitarbeiterin, „aber der ist ja auch technisch reguliert“, fügt sie mit einem Naserümpfen hinzu. Noch während sie uns weitere Informationen aufzudrängen versucht, erfüllt ein leicht schwefeliger Duft den Ort des Geschehens und schon kurz darauf blubbert der Brubbel ordentlich los. Ein weiterer Beweis des vulkanischen Ursprungs der Eifel. Wir fahren weiter zu den nächsten Zeugnissen vulkanischer Aktivität. Die Spuren phreatomagmatischer Explosionen sind einfach toll……!?
Ja, nicht nur Lesen, sondern auch Motorradfahren bildet: Beim Zusammentreffen von kaltem Wasser und heißem Magma verdampft das Wasser explosionsartig, was zu einem Auswurf von Gestein und Erdreich führt. Zurück bleibt ein rundes bis ovales Loch in der Erde, der Maarkessel, der sich im Fall der Dauner Maare mit Wasser gefüllt hat. Das Weinfelder Maar ist rund 525 m lang, 375 m breit und 51 m tief und bei den Ausmaßen muss es ganz schön geknallt haben, als das Loch in die Erde gesprengt wurde.
Eddy lässt uns an seinen Streckenkenntnissen teilhaben, als wir es mal ordentlich, dann wieder nicht ganz so gewaltig krachen lassen und uns kurvenschwingend über Lutzerath nach Bad Bertich bewegen, bekannt für die einzige Glaubersalztherme Deutschlands. In das gesunde Wasser haben schon die Kelten ihre Füße gehalten, dann die Römer, dann diverse Trierer Bischöfe und Rittersleute, Kurfürsten, französische Revolutionstruppen, Preußen, Alexander von Humboldt und, und, und…

Uns treibt die noch zu bewältigende Strecke zur Eile an, sodass wir die Mosel fast unbemerkt überqueren und hinter uns lassen. In Treis-Karden stoßen wie jedoch wieder auf sie und folgen ein paar Kilometer ihrem Lauf, um schon bald Richtung Süden-Osten nach Sankt Goar zu gelangen. Das Rhein-Mosel-Dreieck hat die größte Burgendichte Europas und Mittelalterfreunde könnten im Umkreis von dreißig Kilometern über zwei Wochen lang jeden Tag eine neue Burg entdecken. Ehrenburg, Reichsburg Cochem, Burg Thurant Alken, Burg Waldeck, Burg Eltz, Festung Ehrenbreitstein Koblenz, Schloss Stolzenfels, Marksburg Braubach, Burganlagen Sterrenberg und Liebenstein, Burg Maus St. Goarshausen, Burg Katz St. Goarshausen, Schönburg Oberwesel, Pfalz bei Kaub, Burg Rheinfels St. Goar, Sponheimer Burg Kastellaun und der Schinderhannesturm Simmern warten auf tapfere Eroberer. Auch unsere „Schlachtrösser“ scharren mit den Hufen, als wir auf die Loreley VI warten, um den Rhein zu überqueren. Zu dieser Zwangspause genötigt, bleibt jedoch genug Zeit, um sich wortreich und mit noch so manchem Witz über auf dem Rücken klebende Fliegen von Eddy zu verabschieden. Er muss zurück, denn der Landgasthof „Beim Holzschnitzer“ betreibt sich nicht allein!
Rechtsrheinisch liegt Sankt Goarshausen, die Loreleystadt, die wir jedoch zügig Richtung Katzenelnbogen verlassen, was nichts mit den Vorderbeingelenken von Garfield und Co. zu tun hat, sondern auf Cattimelibocus zurückgeht, was für alte Römer soviel heißt wie Burg oder Gebirge der Hessen – ein Stachel im Fleisch der Rheinland-Pfälzer, aber Zeichen für uns, der Heimat wieder näher zu kommen.

Das bald erreichte Idstein im Taunus ist Pflichtstopp für jeden, den historische Gebäude und deren zum Teil grausigen Geschichten interessieren. Ob der Hexenturm wirklich nur der Inhaftierung der Verdächtigten diente, oder ob auch so manch missglückter Flugversuch auf dem Besen von der Turmkammer aus letztendlich die Unschuld bewies, kann nicht mehr geklärt werden. Lustiger geht’s da am jeweils ersten Wochenende der hessischen Sommerferien zu, wenn um die 75 Jazz-Bands die Stadt zum Mekka für Jazzfreunde machen.
Über Weilrod und Weilmünster geht es durch den Taunus nach Braunfels zum Gasthof Am Turm. Hier betreibt Richard Böhm seit langer Zeit sein motorradfreundliches Lokal mit Biergarten und Unterkunft…“Ihr schon wieder?“ klingt es aus der einladend offen stehenden Tür, Sekunden nachdem der Letzte sein Bike abstellt. Ja, und es wird nicht das letzte Mal sein, dass wir die drei Motorradwirte besuchen, denn egal ob bei Richard, Friedrich oder Eddy – so unterschiedlich die Drei und ihre Häuser sind, uns hat’s bei allen gefallen…