Pfälzer Bergland

Pfälzer Bergland


Bruchhausen on Tour

Am ersten Juni Wochenende war es wieder soweit. Die alljährliche Motorradtour mit meinem Kumpel Uwe stand an. Aufgrund meines Abendstudiums kam ich erst am späten Samstagmittag los und wählte daher für den Hinweg die schnelle Variante über die Autobahn bis Königswinter und die B 42 durchs Romantische Rheintal.

Bei Unkel machte ich einen kurzen, kurvenreichen Abstecher zum Marienwallfahrtsort Bruchhausen, da ich ja in einer vorherigen Ausgabe angedroht hatte, alle Orte in Deutschland Namens Bruchhausen einmal anzufahren. Anschließend ging es wieder zurück ins Rheintal Richtung Süden. Nachdem bei meiner letzten Tour Burgen und Kraftwerke meine ständigen Begleiter waren, sollten es diesmal Burgen ( oftmals auch als Ruinen ) und fließende Gewässer sein. Am Rhein waren es u. a. die Marksburg in Braubach, die Burg Maus kurz vor der Loreley und die Burg Gutenfels bei Kaub. Da bei Kaub gerade die Fähre anlegte, entschloss ich mich spontan schon hier überzusetzen. Auf der anderen Rheinseite ging es über die B 9 nach Bingen und von dort weiter über die B 48 in Richtung Bad Kreuznach. Kurz vor Bingen ereilte mich auch der einzige Schauer der Tour. Von Bad Kreuznach fuhr ich über Bad Münster und Ebernburg – beides Orte mit sehenswerten Kuranlagen und Salinen, die gut für Atemwegserkrankungen sind – und weitere kleinere Ortschaften nach Obermoschel, unserem diesjährigen Treffpunkt.

Erstmal ein kühles Bier

Als Unterkunft für die diesjährige Tour hatte ich das Burghotel in Obermoschel ausgewählt, welches ich durch diverse Aufenthalte mit der Familie meiner Frau her kannte. Die Pfalz ist nämlich die Heimat meiner Schwiegermutter. Als ich gegen 18.00 Uhr ankam, stand Uwe`s Motorrad, oder besser gesagt das seiner Schwester, schon auf dem Parkplatz. Da er allerdings noch seinen obligatorischen Mittagsschlaf hielt, gönnte ich mir erst einmal ein kühles Bier. Als Uwe dann vom Zimmer herunter kam war er sehr überrascht, da er mich nicht gehört hatte. In Anbetracht dessen, dass meine Guzzi kein Leisetreter ist, muss er wohl ordentlich weggeratzt sein. Nachdem ich meine Klamotten aufs Zimmer gebracht und mich umgezogen hatte, ging es ins Städtchen, um im Ratskeller die deftige Pfälzer Küche zu genießen. Auf dem Heimweg vernahmen wir noch Lärm von der Moschellandsburg, einer Ruine, die oberhalb des Hotels liegt. Also kurzentschlossen durch den dunklen Wald, den Sturm auf die Burg angesetzt. Ohne Uwe`s Hightech LED-Lampe wären wir allerdings schon nach ein paar Metern jämmerlich gescheitert. Oben angekommen fühlten wir uns um Jahrhunderte zurückversetzt. An diesem Wochenende fand nämlich ein Mittelaltermarkt in der Burgruine statt. Einfach super. Überall standen Ritter- und Verkaufszelte und die Leute waren mittelalterlich gekleidet. Beim Duft des Zwiebelkuchens bekamen wir direkt wieder Hunger und vor allem Durst. Irgendwann erinnerten wir uns daran, daß wir am nächsten Tag noch Motorradfahren wollten und machten uns auf den Abstieg zum Hotel.

Zwiebelkuchen und Gerstensaft

Nach einem ausgedehnten Frühstück ging es bei bestem Wetter auf zu einer schönen Tour durch das Pfälzer Bergland. Von Obermoschel fuhren wir über Feilbingert nach Bad Münster am Stein. Hier fließt die Nahe vorbei an steilen roten Felsen. Vorbei am Rothenfels, meines Wissens die größte Felswand nördlich der Alpen, ging es an der Nahe entlang nach Odernheim am Glahn. Hier kann man seinen Untersatz gegen eine pedalbetriebene Draisine tauschen und auf einer stillgelegten Eisenbahnstrecke etwas für die Gesundheit tun. Am Glahn entlang ging es weiter nach Meisenheim und über Raumbach, Abtweiler, Bärweiler, Hundsbach und Becherbach in Richtung Kirn. Kurz vorher bogen wir auf die B 41 in südliche Richtung, um vor Idar-Oberstein, der Edelstein-Metropole, auf die B 270 Richtung Kaiserslautern zu fahren. Bis Otterbach zweigten wir aber immer wieder von dieser Bundesstraße ab, um auf kleinste Sträßchen auszuweichen und ins innerste des Pfälzer Berglandes einzudringen. In Hirschhorn/Pfalz ging es wieder auf die B270 bis Otterbach. Dort wollten wir eigentlich das Motorradmuseum von Heinz Luthringhauser besuchen. Wegen Renovierungsarbeiten war es aber leider geschlossen. Dieses Kleinod, welches sich in einer Kirche befindet, kann ich nur empfehlen. Unverrichteter Dinge fuhren wir also weiter über Otterberg, Schallodenbach und Heiligenmoschel bis nach Rockenhausen. Dort wandten wir uns zum Donnersberg, der höchsten Erhebung der Pfalz. Im Waldhaus, der höchstgelegenen Gaststätte der Pfalz, genehmigten wir uns einen leckeren Apfelstrudel mit Vanilleeis und Sahne, samt Cappuccino.

Die Völlerei geht weiter

Da wir unterwegs nur mal kurz eine Pfälzer Bratwurst verspeist hatten, war dies eine ideale Nahrungsergänzung, um bis zum Abend durchzuhalten. Danach ging es über Kriegsfeld in die Rheinhessische Schweiz und weiter über Oberhausen an der Appel und Mannweiler Cölln, wo wir die Alsenz überquerten, zurück nach Obermoschel. Am Burghotel angekommen, gönnten wir uns noch ein kleines Nickerchen auf der Wiese, bevor unser Abendprogramm startete. Nach einem leckeren Essen und ein paar Bierchen ging es noch einmal auf die Burg zum Ausklang des Mittelaltermarktes. Bei einem Gerstensaft erfuhren wir, daß der Markt normalerweise am 2. Juniwochenende stattfindet, aber man in diesem Jahr für uns eine Ausnahme gemacht hatte. Irgendwann sind wir dann in der Schmiede gelandet und dort versackt. Hier schloss sich der Kreis zwischen Mittelalter und Motorrad. In der Schmiede von Thomas Hentschke werden nämlich Motorradrennketten, wechselweise mit Federstahl, zu wunderschönen Damastmessern verarbeitet. Durch die Kettenglieder erhalten die Klingen ein besonders schönes Muster. Ich habe noch nie schönere gesehen. Mehr findet ihr unter www.derschmied.de. Irgendwann machten wir uns mit zwei leeren Bierkrügen, wir konnten sie nirgendwo mehr abgeben, zurück auf den Weg zum Hotel. Dort war der Chef gerade dabei fürs Frühstück einzudecken und so liebenswert, uns noch ein letztes Mal die Luft aus den Krügen zulassen. So dackelten wir mit einem satten Schlummertrunk auf unser Zimmer und führten noch das ein oder andere mittelalterliche Benzingespräch.

Kein Hunger mehr

Für den Rückweg hatte ich mir überlegt, einmal auf kleinsten, bisher von mir nicht befahrenen Sträßchen, über den Hunsrück, der Heimat meiner Mutter, die Mosel und die Eifel wieder zurückzufahren. Von Obermoschel führte mich mein Weg über Feilbingert, Oberhausen an der Nahe nach Waldböckelheim und weiter durch den Soonwald über Simmern, Kastellaun nach Treis-Karden an die Mosel. Hier gibt es eine empfehlenswerte Imbissstube Namens Moselblick, die aber am heutigen Tage für mich etwas zu früh kam. Nach der Völlerei in der Pfalz hatte ich noch keinen Hunger. Leider sollte es an diesem Montag die letzte Möglichkeit sein einzukehren. Danach hatten alle bikerfreundlichen Gaststätten, die auf dem Weg lagen, geschlossen. Also weiter über Kaifenheim, Kaisersesch bis Monreal und von dort über Anschau, Weiler, Hirten, Welschenbach und Kesseling nach Ahrbrück. Hier war das Cafe Fahrtwind von einer Baustelle so zugebaut, daß ich entschloss weiterzufahren. Über Lind, Bad Münstereifel und Satzvey bis zur B 477 und von da an standardmäßig nach Hause.

Alles in allem war es mal wieder ein super Wochenende mit Uwe. Wir haben eine Menge unbekannter Straßen unter die Räder genommen und eine Menge netter Leute kennen gelernt. So liebe ich das Motorradfahren.

 

 

 Text & Fotos: Dirk Bruchhausen

 

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