Nördlicher Schwarzwald

Nördlicher Schwarzwald


Bildungsurlaub

Im Schwarzwald gibt es viele außergewöhnliche Museen, die durch besonders schöne Touristenstraßen miteinander verbunden sind. Wir gingen den Fragen nach: Wo kommt das Bier her, woher die Gläser, wo steht das längste Serienmotorrad der Welt und wie hat man früher im Schwarzwald gelebt und gearbeitet?

Dunkel, fast schwarz, so finster wie die düstersten Ecken des Schwarzwaldes schießt es aus dem Zapfhahn – das Schwarze Pils des Alpirsbacher Brauereimuseums. Hier erfahren wir alles über das Bierbrauen, nur das Rezept wird uns vorenthalten. Im idyllischen Kinzigtal kann man auf eine 900 Jahre lange Brautradition zurückblicken, die eng mit der ehemaligen Benediktinerabtei verbunden ist. Nach dem Leitspruch "Liquida non frangunt ieunum – Flüssiges bricht das Fasten nicht" war es den Mönchen erlaubt, auch während der Fastenzeit Bier zu trinken. Bei einer Führung durch das Museum begeben wir uns auf eine Reise in die Vergangenheit, historische Maschinen, liebevoll gewartet, tragen noch heute zum Gelingen des untergärigen Gerstensaftes bei. Genau so spritzig wie das flüssige Brot kommt die Schwarzwald-Tälerstraße daher, eine von vielen fahrenswerten Touristenstraßen. Sie hat uns aus Schenkenzell, wo wir für ein paar Tage unser Lager aufgeschlagen haben, hierher geführt. Anschließend bleiben wir der Kinzig weiter treu und folgen ihrem gewundenen Lauf schwungvoll bis nach Wolfach im Herzen des Mittelgebirges. Dann durchmessen wir das malerische Tal der Wolfach stromaufwärts.

Kurvenfeuerwerk

Auf nur wenigen Kilometern schrauben wir uns hinauf nach Bad Ripoldsau. Jetzt den direkten Weg nach Kniebis einzuschlagen, wäre ein grober Schnitzer, denn der Schlenker über Freudenstadt wird mit einem Kurvenfeuerwerk erster Güte belohnt. Und damit sind wir schon auf der nächsten Pflichtstrecke für jeden Black-Forest-Biker, der berühmten Hochstraße. Die Panoramatrasse von Freudenstadt nach Baden-Baden mit ihren rund 60 Kilometern Länge ist die älteste und bekannteste und vielleicht sogar die schönste Touristenstraße des Schwarzwaldes. Flüssig ziehen wir in einer Höhe von 600 bis 1000 Metern dahin, dabei erhaschen wir zauberhafte Blicke über bewaldete Kuppen hinweg in die Rheinebene bis zu den Vogesen. Die Tachonadel lassen wir aber nicht aus den Augen, denn Übermut wird von zahlreichen Geschwindigkeitskontrollen im Keim erstickt. So richtig Brummen tut’s am Parkplatz Mummelsee; hier werden Busladungen Touristen angekarrt, in einer Art Supermarkt wandern kitschige Kuckucksuhren aller Größen über den Tresen – für die Lieben daheim. Ganz in der Nähe ragt der höchste Berg des nördlichen Schwarzwaldes, die Hornisgrinde, mit 1164 Höhenmetern in den weiten Himmel. Jetzt kann es nur noch bergab gehen! Aber wie. Die kurvige Waldpassage nach Raumünzach hinab verwandelt den Teer in eine Tanzfläche, Schräglagenwalzer ist angesagt. Im Murgtal angekommen, bleiben wir nicht lange auf der Schwarzwald-Tälerstraße, denn schon am Ortsende von Forbach wartet ein weiteres Schmankerl auf uns, die Auffahrt zum „Gasthaus Rote Lache“. Schmal, eng und kurvig geht es auf mäßigem Belag zwischen Wiesen und Feldern himmelwärts. Ziegen und Schafe, aufgeschreckt vom Lärm der hochdrehenden Motoren, beobachten scheinbar genervt unser sportliches Treiben.

Bäderstraße

Unmittelbar vor Baden-Baden schlagen wir die Lenker Richtung Gernsbach und Gaggenau ein. Nach den langweiligen Ortsdurchfahrten brauchen unsere Bikes etwas Auslauf und den finden wir auf der Bergetappe rund um die Hohe Wanne. Wanne? Baden? Richtig - wir befinden uns nun auf der Schwarzwald Bäderstraße, die wir aber bald wieder verlassen, um dem Fahrzeugmuseum Marxzell einen Besuch abzustatten. Hier scheint das Chaos zu regieren, jedes noch so kleine Plätzchen wird genutzt, skurrilste Dinge auszustellen. Mitten im Eingangsbereich steht der letzte Motorrad-Dinosaurier – die dreisitzige Böhmerland: Über drei Meter lang und 220 Kilogramm schwer, konnte sie, von einem 600er Einzylinder mit 18 PS Leistung angetrieben, immerhin passable 80 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit erreichen. In den 30er Jahren wurden rund 3000 dieser Giganten gebaut. Und wie die Dinosaurier sind auch sie ausgestorben. Wir haben den nördlichsten Punkt und damit auch die Wendemarke unserer Rundreise erreicht. Nach Bad Herrenalb rollen wir durch die Puppenstube Loffenau mit besonders schönen Fachwerkbauten. Hinter Gernsbach verlassen wir das Tal der Murg in Weisenbach, schalten runter und sprinten steil bergauf nach Reichental. Anschließend schwingen wir durch ungezählte Kurven weiter nach Sprollenhaus, wo wir wieder der Bäderstraße begegnen. Auf 270 Kilometern verbindet sie Kunst und Kultur, Wellness und Weinberge. Auf unserem Flug nach Freudenstadt darf auch mal wieder der fünfte Gang mitspielen, mit hohem Tempo rauschen wir auf einer Schnellstraße schnurstracks durch den dunklen Wald.

Freilichtmuseum

Abschließend verschmähen wir den weiteren Verlauf der Bundesstraße 294, wir suchen und finden den Einstieg in die parallel zum Kinzigtal verlaufende Nebenstrecke, die uns fast direkt vor die Tür des Hotel Waldblicks führt. Da unser Wissensdurst und Kurvenhunger noch nicht gestillt sind, starten wir durch nach Wolfach. Statt durch den schnöden Tunnel zu huschen, wählen wir lieber den Umweg durch den malerischen Ortskern und landen anschließend in der Dorotheenhütte, wo die heiße Luft flirrt. Hier zeigen Glasbläser, zum Greifen nahe, dass man aus einer trägen, glühenden Quarzsandmasse mehr als nur Biergläser herstellen kann. Im angeschlossenen Museum bestaunen wir historische Exponate verschiedener Epochen. Wie in den vergangenen 400 Jahren im Schwarzwald gewohnt, gelebt und gearbeitet wurde, entdecken wir dann auf einem Rundgang durch das Freilichtmuseum Vogtsbauernhof zwischen Hausach und Gutach. Zahlreiche typische Häuser mit weit ins Gesicht gezogenen Dachmützen, antike Werkzeuge und Möbel geben Einblicke in die gute alte Zeit. Auf einem Teilstück der Deutschen Uhrenstraße gelangen wir nach Schramberg. Von dort aus sind es nur noch zehn Kilometer bis zum Hotel, denn auch ein Tag Bildungsurlaub geht einmal zu Ende.

Text & Fotos: Frank Sachau

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