Tourentagebuch Indien

Tourentagebuch Indien


Mit dem Motorrad durch Indien!

Rajasthan liegt im Westen Indiens, was für seine Wanderdünen, prächtige Paläste und einer goldenen Vergangenheit bekannt ist. Es haftet ein gewisser Zauber an, denn alles ist atemberaubend schön und gross, beeindruckend und faszinierend. Mit einer Royal Enfield Bullet 500 ccm, 22 PS, fahren wir über 2000 km den Spuren mächtiger Maharadschas nach. Royal Enfields wurden zunächst in England gebaut, jetzt in Südindien. Das Werk kann zu bestimmten Zeiten besichtigt werden.

1. Tag: Mittwoch 5. April 2006

Abflug ab Düsseldorf 10.40 Uhr. Der erste Schock. Wir werden gefragt, ob wir Deutsch sprechen. Unglaublich ! Im Flugzeug empfängt uns die Melodie: Vor dem Kremltor steht ein Kosakenchor, Moskau wie es singt, wie es lacht.....
Ich hole unsere Kopfhörer aus dem Handgepäck, um den Musiksender hören zu können oder einen TV Film ansehen zu können. Die Enttäuschung macht sich breit. So etwas ist in den russischen Maschinen der Aeroflot nicht vorhanden. Das Mittagessen bringt die nächste Enttäuschung. Zum Glück haben wir Kekse in unserem Handgepäck. In Moskau werden wir  im Transitbereich noch einmal richtig „gefilzt“. Die Sicherheitsbeamten finden Handschellen in meinem Handgepäck. Nach einigen Diskussionen glaubt man mir, dass ich sie zum Befestigen der Motorradhelme brauche. Es ist mit sehr vielen Rücksprachen mit Vorgesetzten dann möglich, diese Handschellen in einem Briefumschlag zu versiegeln und sie auf besondere Anordnung im Gepäckraum zu verstauen. Meine kleine Spielzeugpistole an meiner Gepäcktasche sieht man als unbedenklich an und lässt uns damit die Maschine der Aeroflot mit 235 Sitzplätzen betreten. Zeitumstellung 2 Stunden vor. Auf dem Flug nochmals 1,5 Stunden. Also bekommen wir auch hier wieder ein Mittagessen, in dem wir herumstochern und wegen starker Hungergefühlen etwas daraus essen. Hähnchenhack in einem grauen Teigmantel, Fischstückchen auf Mais. Die Maschine ist nicht ausgebucht.

2. Tag: Donnerstag 6. April 2006 

Wir landen überpünktlich nachts um 0.30 Uhr in Delhi, wo wir Günter Schiele, unseren Tourenguide direkt erkennen und  um 2 Uhr morgens zum nahegelegenen Hotel Star gebracht werden. Dort wohnt bereits Jochen, ein 70 jähriger Herr aus Berlin, der zum Eingewöhnen 1 Tag eher  angereist ist. Wir können uns frisch machen und 3 Stunden ruhen, da unsere  beiden Reisebegleiter aus der Schweiz mit der Lufthansa erst gegen 7 Uhr in Delhi landen werden. Nach einem Kaffee treffen wir uns um 8 Uhr alle vor dem Hotel Star, verpacken unser Gepäck auf dem Dachgepäckträger eines Toyota Jeeps und werden von Dschuma, einem Inder ca. 250 km ins Landesinnere nach Jhunjhunu gebracht. Günter fährt mit seinem Motorrad hinter uns her. Die Stimmung ist gut, bis wir die erste Panne haben und die Strassenverhältnisse kennengelernt haben. Die riesigen Löcher in der Strasse haben bewirkt, dass sich der Dachgepäckträger aus der Halterung gelöst hat. Dschuma und Günter organisieren Hilfe. Mindestens 8 Inder stehen um das Auto herum und begucken sich den defekten Dachgepäckträger, bis endlich 2 junge Inder biegen und schrauben, bis er wieder fest sitzt. Wir kommen nachmittags erschöpft in der Hitze bei 40 Grad in unserem Hotel an., Jamuner Resort in Jhunjhunu. Der Swimmingpool ist versandet und kann nicht benutzt werden. Auf unseren Wunsch wird er innerhalb von wenigen Stunden gereinigt, sodass wir am nächsten Tag doch noch darin ein Bad nehmen können.

3. Tag: Freitag 7. April 2006 - Einführung der Enfields in Jhunjhunu

Nach einem ausgedehnten Frühstück im Garten stehen unsere Bikes vor dem Hotel. Hier und da müssen die Sturzbügel zu Recht gezogen werden, damit auch Peter mit seiner Schuhgröße 48 die Bremse und die Schaltung bedienen kann. Das Motorrad mit der Sissibar ist für den Schweizer Paul und seine Frau Franziska, die als Sozifahrerin die ganze Strecke darauf mitfährt und problemlos fotografieren und filmen kann. Ich entscheide mich für eine Royal Enfield mit einem Gepäckträger, damit ich meine Tasche darauf befestigen kann. Nach kurzer Einführung der Maschinen erfahren wir, dass wir vor jedem Start die Maschine antreten müssen. Dabei müssen wir den exakten Punkt hinter dem OT finden. Und das bedeutet Fingerspitzengefühl. Oh je - wir treten und treten...... Die Maschinen springen erst an, als unser junger Monteur, der uns die ganze Strecke über begleiten wird, das Standgas etwas höher stellt. Erfolgserlebnis bei allen. Und jetzt müssen wir uns nur noch links halten. Zum Glück fährt Günter vorneweg und wir anderen hinterher. Es erleichtert das Linksfahren. Direkt an der nahegelegenen Tankstelle werden alle Maschinen betankt. Man stellt sich hintereinander in die Reihe, stellt die Maschine aus, schraubt den Tankdeckel auf, wartet bis der Tank voll ist und schiebt die Maschine dann an die Seite und wartet, bis Günter die gesamte Tankrechnung für Bikes und Jeep bezahlt hat. Wir sind alle ein wenig aufgeregt und jeder probiert bereits das Antreten der Maschine, was nach einigen Malen auch klappt. Probefahren ist angesagt. Jetzt geht es los: Wir fahren lange Geraden, wenig Verkehr, können hier und da bereits die herrliche Landschaft geniessen. Es wird stündlich wärmer. Die Sonnen knallt auf uns – es ist herrlich still.  Die ersten Begegnungen mit den freilaufenden Kühen, Ziegen und Kamelkarren bringen uns ins Staunen. Lebenslustige fröhliche Kinder, Frauen und Männer winken unserer Gruppe mit 5 Motorrädern zu. Man erkennt uns direkt als „Fremde“ oder Touristen, da wir Motorradhelme tragen. Nur Günter fährt mit Kopftuch. Was für ein Empfang! Mein Herz geht auf und ich merke, dass ich mich hier in Indien wohl fühle und die richtige Urlaubsreise gebucht habe. Wir fahren weit ins Landesinnere und sind plötzlich mitten in einem kleinen Ort, indem wir uns so einigermassen gut erhaltene Havelis anschauen.

Havelis sind  Stadtpaläste, ehemals bewohnt von reichen Kaufleuten. In den Innenhöfen der Havelis hat es sich schnell herumgesprochen, dass Europäer da sind. Viele Kinder umringen mich und halten die Hände offen, um ein Kaubonbon von mir zu bekommen. Selbst junge Männer und junge Frauen betteln um ein kleines Bonbon.

Wir besuchen weiter riesige Brunnenanlagen, die allerdings heute nicht mehr in Betrieb sind. Es geht steil an die 80 Stufen bergab. Dort, wo die Frauen früher das Wasser geschöpft haben, liegt nur noch Schutt und Müll. Schade, dass man solche Stätten nicht erhält und sie pflegt. Da sie Privatbesitz sind, investiert leider keiner in die Erhaltung und somit verkommen sie zunehmend schnell. Der steile Stufenanstieg macht bei der Mittagshitze gehörig zu schaffen. Ich frage mich, warum ich hier herunter gegangen bin. Mein Kreislauf scheint gleich zusammenzubrechen. Deshalb trinke ich viel und verschnaufe auf den Treppen. Zum Glück haben wir alle die 5 stündige Einweisungsfahrt sehr gut überstanden. Der Lohn ein Bad in dem sauberen, neu gefüllten Pool und wer wollte eine Ganzkörpermassage gegen die ungewollten Verspannungen.