Motorradtour Bayerischer Wald

Motorradtour Bayerischer Wald


Auf geht’s Boam!

Im April in den Bayerischen Wald, warum nicht? Solche Aussagen können nur von einem Preußen stammen, der bereits die Krokusse um sich herum blühen sieht und sich nicht vorstellen kann, dass es im südöstlichen Deutschland fast noch Winter ist. Also, auf geht’s, in die Region des Bärwurz und der Glasbläser.

Anfang des Jahres hatten wir mit den Bikerwirten Franz Treml aus Spiegelau und Bernhard Sitter aus Neureichenau vereinbart, sie zu Beginn der Saison zu besuchen. Beide hatten sich mit ihren Gasthäusern auf der Motorradmesse in Karlsruhe präsentiert. Da wir für Aufnahmen mit den modellgepflegten Kawasakis, der 1400 GTR und der Versys, im Bayerischen Wald Aufnahmen machen sollten, stand schnell fest wo wir übernachten würden. „Im Aprü in Boarischen Woid, seids narisch, do hots gern no an Schnee und do woits es motorradelfoarn?“. Wenn er Recht hat, hat er eben Recht der Sitter Bernhard. Nur leider wussten wir nicht, was er gesagt hatte. „Und aufn Arber kennts a nid aufi foarn, wois no nix zum segn giabt“. Na da waren wir aber dankbar, dass der Treml Franz mit seinem Hochdeutsch in die Bresche gesprungen war. Vermutlich hatten sie was von toller Motorradregion und gutem Essen erzählt, passte doch.

 

Als wir dann kurz nach Ostern Frankfurt passieren und auf dem Highway Stoff geben, ist es zwar mit 6 Grad etwas kühl, aber der blaue Himmel und die lachende Sonne entschädigen für leicht frostige Finger. Beim Tankstopp in der Nähe von Nürnberg ist die Außentemperatur zwar noch gleich, die innere Heizung verlangt aber bereits nach sehr heißem Kaffee. Rund 200 frostige Autobahnkilometer müssen wir bis Passau noch bewältigen, um festzustellen, dass es hier nur noch 4 Grad hat.

 

Trotz der Kälte schauen wir uns Passau an. Tolle Stadt. Vor allem jede Menge Cafés zum Aufwärmen. Natürlich darf ein Blick auf die größte Domorgel der Welt nicht fehlen. Da wir noch eine Stunde bis zu Bernhard Sitters Gut Riedelsbach haben, verzichten wir auf das Livekonzert im St. Stephan und orgeln lieber auf unseren Kawas in Richtung Neureichenau.

 

Ja hallo, die Strecke hat es in sich. Knackige Kurven, tolle Weitsicht und griffiger Asphalt. Wie geil muss das hier bei grünen Bäumen und Temperaturen im zweistelligen Bereich sein. Wir hangeln uns parallel zur österreichischen Grenze entlang. Warum verbindet man Österreich nur immer mit Skifahren? Im Moment ganz sicher, weil uns die Eiseskälte ganz mächtig in die Kombi kriecht. Zum Glück erreichen wir kurze Zeit später Gut Riedelsbach und steigen Zähne klappernd von den Bikes. Die Temperatur muss um den Gefrierpunkt liegen, nichts geht mehr. Wir sind am Ende unserer Kräfte.

 

Dass man vom Fahren in der Kälte Halluzinationen bekommt, ist uns jedoch völlig neu. Wir nehmen eine Person in einer kurzen Lederhose wahr. Sie trägt zwei mit unterschiedlichem Kuhfell bezogene Holzschuhe und es gibt keinen Hinweis auf Socken oder Strümpfe. Wir haben schon viel von der Wirkung des „Bärwurz“ gehört, aber wir sind uns ganz sicher, keinen getrunken zu haben.

 

„Hobts a Glick ghobt miam Weda” gibt das Wesen von sich. Jetzt sind wir sicher, das es sich nicht zuletzt auf Grund der unbekannten Sprache um einen Außerirdischen handelt. „Herzlich willkommen auf Gut Riedelsbach“ ertönt es jetzt jedoch verständlich aus dem Mund des Lederbehosten. Verflucht, erst jetzt erkennen wir Bernhard Sitter, dem man offensichtlich seine Winterkleidung gestohlen hat. Ob das mit der Grenzöffnung nach Osteuropa zu tun hat, fragen wir spitzbübisch. „So longs worm is, ziag i ka longi Hosen o“, was wohl so viel wie „Kommt rein Weicheier“ heißt.  

Nach mehreren Saunagängen  und ein paar Runden im Pool verlassen wir völlig entspannt den Wellnessbereich des 1.Bier- und Wohlfühlhotels der Welt. Das mit dem Wohlfühlen ist absolut in Ordnung gegangen, jetzt wird der Bierbereich getestet. Die hausgebrauten Sorten Blond, Dunkel und Pils lassen schon einmal keinen Zweifel am Können der Riedelsbacher Kesselwärter. Das Bier wird perfekt in die Speisen integriert und mit dem fünfgängigen Bierkulinarium werden auch verwöhnteste Gaumen überzeugt.

 

Am nächsten Morgen begleitet uns Bernhard mit seiner Honda Varadero zum Motorradmuseum nach Jandelsbrunn, das man unbedingt „gesegn hom muis“. Und da müssen wir unserem Guide, diesmal übrigens nicht mit Holzschuhen und kurzer Lederhose bekleidet, uneingeschränkt Recht geben. Das was die Eheleute Rosenberger hier zusammengetragen haben gehört sicher zu den interessantesten Privatsammlungen in Deutschland. Von Puch und DKW über BMW bis hin zu einer Opel finden sich Schätzchen, die keinen Motorradfan kalt lassen. Hier liegen die Wurzeln unseres Hobbies.

 

Bernhard muss jetzt in seinen Betrieb zurück und zeigt uns auf der Karte die schönste Route zum Treml Franz, dem wir heute noch einen Besuch abstatten wollen. Es ist wieder verflucht kalt. Wir lassen es krachen und motivieren uns mit heißen Reifen gegen die Kälte. Die Straßen sind trocken und glücklicherweise schnee- und eisfrei.

 

Wenig später treffen wir  im „Bikerhotel Spiegelau“ ein, das für Nichtbiker ganz banal Hotel Waldfrieden heißt. Franz zeigt uns kurz sein Haus. Die komfortablen und geräumigen Zimmer sind einladend. Überrascht sind wir auch hier über den tollen Pool. Während der Bayerische Wald früher für seine einfachen Pensionen bekannt war, wurde hier kräftig aufgesattelt ohne preislich abzuheben. Den Gast freut es. 

 

Franz holt sein Motorrad aus einem Gebäude, das er bescheiden Garage nennt, in dem aber sicher Platz für ein Hallenfußballturnier wäre. Weit über 20 Bikes finden hier Platz. An die Garage grenzt der hauseigene Grillplatz an. Es erfordert nicht viel Phantasie um zu ahnen, was hier stimmungsmäßig abgeht, wenn größere Gruppen zu Gast sind. Wie zum Beispiel bei den Motorrad-Days Spiegelau, wo man auch an der legendären „Tour de Franz“ teilnehmen kann.

Wie schon Bernhard am Morgen, beweist jetzt auch Franz seine Qualitäten als Tourguide und gibt seiner BMW die Sporen. Er führt uns über geniale Sträßchen, die wir alleine niemals gefunden hätten und als wir anhalten, hat er das diese Aussage bestätigende Grinsen im Gesicht. Genau das ist es, was Menschen wie Bernhard und Franz von denen abhebt, die sich nur ein „Biker welcome“ an die Tür nageln, weil man auf uns als Zielgruppe spekuliert, aber eigentlich außer einem alkoholfreien Bier nichts zu bieten hat.  

 

Da der Bikertreff am Arbersee seine Saison noch nicht begonnen hat, fährt Franz mit uns in eine Glashütte, wo wir die leicht zerbrechlichen Erzeugnisse bestaunen. Der Grad zwischen Kitsch und Kunst ist schmal. Ecker Sattel, die ehemalige Ruselbergrennstrecke und der Platz des Elefantentreffens in Solla sind weitere Punkte unserer Runde, bevor wir uns von Franz verabschieden und wieder Richtung Gut Riedelsbach touren. Haben wir erwähnt das es verflucht kalt ist? Wir fahren wieder völlig unterkühlt in Riedelsbach ein, ein seltsames Wesen in kurzer Hosen, Holzschuhen mit Kuhfell ohne Socken kommt uns entgegen.....und ewig grüßt die Sepplhose.

 

„Kemmts in a poar Wocha wiedr, donn sant boam und wiesn softig und ind tschechai kennts a umi foarn“. Ja, genau das bestellten wir für 2 Personen. Es schmeckte traumhaft und wir feierten danach ausgiebig die Braukunst.

 

Am nächsten Tag steht leider schon die Abreise an. „Vielen Dank für Euren Besuch“ verabschiedet sich Bernhard in fast reinstem Hochdeutsch. „Pfiad God Bernhard, woar a Riesngaudi“ antworten wir und lassen einen sprachlosen Bayern zurück.

 

Text: Klaus Hinterschuster

   

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