Motorradtour Korsika

Motorradtour Korsika


Korsika - die Unglaubliche!

Endlich, wir sitzen auf der vollbepackten Maschine und passieren bereits die österreichische Grenze. Es geht in Richtung Korsika. Die zwei Zylinder brummen gleichmäßig vor sich hin und wir freuen uns auf die bevorstehende Reise. Zunächst bewegen wir uns auf Südtirol zu. In der Nähe von Trento wollen wir zum Erstenmal übernachten, die Hotels habe ich bereits per Internet im Voraus gebucht.

Das Hotel befindet sich inmitten von Weinbergen in einem stillgelegten Weingut,  von außen sieht es wie ein typisch italienischer Herrschaftssitz aus, der seine besten Zeiten  hinter sich hat. Wir können uns nicht vorstellen, dass das Gebäude ein Hotel sein könnte und so gelingt es uns trotz Navi am gebuchten Hotel mehrmals vorbei zu fahren. Als wir den Eingang sehen und ins innere des Gehöfts kommen sind wir sprachlos. Das stilvolle Ambiente und die im alten Stil belassenen, neu renovierten Räume beeindrucken uns. Später sitzen wir auf dem Balkon, schauen auf die Weinberge ringsum und genießen die Abendsonne. Der Urlaub hat begonnen.

Firence (Florenz) eine tolle Stadt

Nach dem Frühstück bepacken wir unsere GS wieder und fahren vom Trentino in die Po-Ebene, wir statten dem Städtchen San Benedetto einen Besuch ab. Wir haben Glück, es findet gerade ein italienisches Fest statt. Für ca. 2 Stunden tauchen wir in das italienische Allerlei aus Oldtimertreffen, Volkloremusik, Markt und Jugendtreff ein. Dann bollert der 2 Zylinder weiter durch die Toskana nach Florenz. Das  Navi leitet uns ohne große Suchaktionen genau in die Straße in der sich unsere Übernachtungsgelegheit befindet. Ein günstiges Hotel, das nicht all zu weit vom Domplatz entfernt ist. Zum Abendessen gehen wir in die Altstadt und tauchen ein in das Flair der Stadt. Anschließend sehen wir uns wie alle Touristen den beeindruckenden Dom an, dessen Fassade komplett aus weißem und schwarzem Marmor besteht. Nach einem Spaziergang über die Ponte Veccio genehmigen wir uns noch ein Glas Rotwein in der Nähe des Doms bevor wir das Bett aufsuchen.

Endlich - Korsika

Unsere Lastkuh fährt uns durch toskanische Landschaften nach Livorno, direkt in den Fährhafen. Die Fähre nimmt uns mit anderen Motorrädern, Autos und Caravans in den großen Schlund auf. Das Personal zurrt die Motorräder ordentlich fest und wir begeben uns an Deck. 4 Stunden später laufen wir in Bastia ein, Korsika zeigt sich trüb und wolkig. Ich stelle mich innerlich schon mal auf eine Regenfahrt nach Venaco, dem Dorf in dem sich unser Hotel befindet, ein. Venaco liegt fast in der Mitte der Insel und soll uns als Start und Zielpunkt meiner geplanten Touren dienen.

Leider entschließe ich mich, die Straße durch die Innenstadt von Bastia zu wählen - keine gute Idee zur Rush Hour. Im 1. Gang quälen wir uns im Schritttempo von Kreisverkehr zu Kreisverkehr. 45 Minuten später sind wir der Stadt und den Vororten entronnen und können nun endlich entspannt den Weg in die Berge einschlagen. Die Landschaft ist zunächst lieblich und erinnert an die Toskana. Dörfer thronen auf sanften Hügeln. Allmählich tauchen immer schroffere Felsformationen auf, die Straßen werden noch kurviger, Motorradfahrerherz, was willst du mehr. Getrübt wird die Freude lediglich durch die vielen Wolken, die uns eine bessere Aussicht auf ferne Berge versperren. Trotzdem sind wir froh, dass es nicht regnet. Am Abend erreichen wir unser Hotel für die nächsten sechs Tage. Wir werden freundlich empfangen, es ist ein einfaches Hotel, die Zimmer sind sauber und neu ausgebaut.

Berge auf Korsika

Die Verständigung ist etwas schwierig und so bekomme ich zunächst nicht mit, dass wir zum Abendessen in das Dorf marschieren müssen. Nach einigen Mißverständnissen fährt uns unser Hotelwirt mit seinem Privatauto zum Restaurant. Dort essen wir hervorragend, es gibt sehr gute korsische Spezialitäten. Da der korsische Flaschenwein übertrieben teuer ist und uns der französische Rotwein gut schmeckt, entscheiden wir uns für diesen. Als wir uns umschauen, was an den Nachbartischen getrunken wird, stellen wir fest, dass sich der Patriotismus bei der Getränkeentscheidung auch bei den Einheimischen in Grenzen hält.  Beim Gang zurück zu unserer Unterkunft fällt uns dann auf, dass Bürgersteige nur teilweise vorhanden sind. Glücklicherweise habe ich eine Minitaschenlampe am Schlüsselbund, denn wenn einheimische Autofahrer durch die Kurven wetzen, fühlen wir uns mit Licht doch erheblich sicherer.

Tour durch die Berge nach Calvi und entlang der Küstenstraße zurück

Nach dem Frühstück gehe ich kurz nach draußen, dabei muss ich feststellen, dass es über Nacht wohl geregnet hat. Die Straßen sind jedoch gerade dabei zu trocknen. Der Himmel ist wolkig und wir schlüpfen wir in unsere Biker-Klamotten um die erste Inseltour zu starten. Kurz darauf manövriere ich die GS von der Terrasse auf die Straße. Der Besitzer erlaubte uns nämlich das Bike auf der Terrasse unterzubringen. Wir fahren Richtung Norden um über den Col de Vergio durch die Gorges de Spelunca an die Westküste zu fahren. Am Col de Vergio sieht das Wetter ziemlich duster aus aber die Wolken behalten ihren Wasservorrat für sich und so können wir auf trockener Straße die Kurven durch die Spelunca-Schlucht genießen. Dann geht es über den nächsten Paß um dann gleich wieder auf einer Küstenstraße Richtung Calvi zu schnurren. Die Straße ist unglaublich kurvig und das Fahren macht mächtig Spaß, trotzdem muss ich immer wieder stehen bleiben um die unglaublichen Ausblicke zu genießen. Bereits auf der bisherigen Strecke konnten wir feststellen, dass auf Korsika die meisten Tiere frei herumlaufen. Man muss immer damit rechnen, Schweinen, Ziegen, Schafen oder Kühen zu begegnen. Auch Hunde in den Bergdörfern lassen sich beim Sonnenbad auf dem warmen Teer nicht stören, man muss schon um das Tier herum fahren, dabei sieht einen der derart Gestörte maximal mit einem Auge kurz an. Selbst als Hund lebt man anscheinend sehr gelassen auf Korsika.

Tour nach Bonifacio

An diesem Tag sieht das Wetter bombig aus, tolle Aussicht, blauer Himmel. Da die Bonifacio-Runde die längste in meiner Planung ist, will ich diese Tour nun angehen. Wir starten bei Kaiserwetter. Bei solchem Wetter will ich natürlich durch die Berge. Ich biege also kurz hinter Vivario ab um über den Col de Sorbe fahren zu können. Die Strecke auf die Paßhöhe ist überwältigend. Die Streckenführung, die Aussicht auf die Berge läßt einen zunächst vermuten in den Alpen unterwegs zu sein. Plötzlich verändert sich die Landschaft, Serpentinen führen an kahlen, von Waldbränden verwüsteten Berghängen entlang. Die Paßhöhe selbst befindet sich im Wald und so ist der Blick auf die umliegenden Berge nicht so großartig wie vermutet, also fahren wir gleich weiter. 
Der Col de Verde wird als nächstes überquert, die Paßrampe führt durch Waldgebiet, die Strecke ist gut geteert und man kann das Motorrad entspannt laufen lassen. Der nächste Paß birgt einige Überraschungen. Der Col de Vaccia beginnt zunächst mit neu geteertem Belag. Die Straße ist hervorragend ausgebaut, immer wieder sieht man an den zerwühlten Straßenrändern, dass wilde Hausschweine unterwegs sind. Dann und wann liegen  Scheine entspannt neben der Straße und halten ein Verdauungsschläfchen.

Urplötzlich verändert der Paß sein Gesicht. Die Straße wird zum Flickenteppich, nach wenigen Kilometern kann man von Straßenbelag nicht mehr sprechen, es geht auf Schotter weiter. Kein Hinweisschild hatte vorher davor gewarnt, aber auf Schilder sollte man sich auf der Insel sowieso nicht verlassen. Auch enge Kurven und Kehren werden hier nicht angekündigt. Kurz darauf befinden wir uns inmitten einer Baustelle, ich muss mich durch Schlammpassagen und an Baustellenfahrzeugen vorbei wuseln. Jetzt bin ich richtig Froh, mit der GS unterwegs zu sein, auf diesem Terrain zeigt sich, dass dieser wuchtige Brocken von Motorrad sehr beweglich und geländegängig sein kann. Nachdem die Baustelle überwunden ist, geht es auf enger Teerstraße weiter. Die Aussicht veranlaßt mich dazu einige Male stehen zu bleiben um diese Eindrücke aufsaugen zu können und natürlich auch zum Fotografieren.

Bonifacio


Die restliche Stecke nach Bonifacio legen wir auf einer für Touristenströme angelegten Straße zurück. Nach der Kurvenorgie durch die Berge kann man sich ein wenig erholen. Man muss nur aufpassen auf der ewig langen Gerade nicht einzudösen. Man könnte glauben auf einem der amerikanischen Highways unterwegs zu sein. Schließlich taucht Bonifacio vor uns auf. Wie die Zitadelle und die Häuser der Altstadt auf die Klippen gebaut sind, versetzt einen schon ins Staunen. Obwohl man schon jetzt in der Vorsaison erahnen kann welche Touristenströme sich hier in der Hauptsaison tummeln, ist diese Stadt unbedingt einen Ausflug wert.

Über Sartene, den Col de Celaccia , Col de St. Gorges und Col de Vizzanova fahren wir wieder zurück. Ausgerechnet am letzten Paß fängt es zu regnen an. Die kurze Dusche wird aber schon wenig später durch einen unglaublich intensiven Regenbogen belohnt. Leider bin ich diesmal mit dem Foto zu langsam. Ich kann den Regenbogen zwar auf die Speicherkarte bannen aber nicht in der ursprünglichen, unglaublichen Intensität. Am Abend, als wir wieder eine der korsischen Spezialitäten zu uns nehmen, wird bei Gesprächen, über die vielen Eindrücke dieses Tages, das Erlebte verarbeitet.

Auf nach Cap Corse

Der Boxer läßt die Kolben fliegen und wir brummen Richtung St. Florent. Die Sonne scheint und wir sind guter Dinge als wir St. Florent erreichen, es handelt sich um eine sehenswerte, kleine Hafenstadt. Ich will jedoch schnell weiter, die kurvigen Straßen locken einfach zu sehr und so geht’s beschwingt weiter Richtung Cap Corse. Die Ausblicke und die Landschaft sind überwältigend, Korsika ist einfach überall schön. Als wir in Cap-Nähe kommen, ziehen dunkle Wolken auf und es wird sehr windig. Die Landschaft ist spektakulär, das Erlebnis wird hier jedoch durch den relativ regen Busverkehr getrübt. Die Straßen sind teilweise sehr eng, es gibt daher kaum Überholmöglichkeiten. Bei Gegenverkehr müssen die Busse oft rangieren und so hält sich der  Fahrgenuß in Grenzen, dazu kommt die Tatsache, dass die Wolken immer dunkler werden und der Wind recht heftig bläst.

Am Cap angekommen machen wir einen kurzen Stopp und gehen zur Windmühle hinauf. Von dort hat eine gute Aussicht aber das Wetter meint es diesmal nicht so gut mit uns. Der Wind peitscht Wolkenfetzen über die Steilküste. Es wird richtig ungemütlich als wir wieder starten.

Kurz darauf zerstauben die ersten Regentropfen auf meinem Visier. Die Sicht nach vorne läßt nichts gutes ahnen. Es sieht schwer nach Gewitter aus. Als ich am Straßenrand einen gemauerten Unterstand entdecken bremse ich ab und beschließe mit meiner Sozia dort unseren mitgebrachten korsischen Imbiss zu uns zu nehmen. Der Unterstand sieht wie ein gemauertes Bushäuschen aus. Wir machen es uns dort bequem und beginnen die korsische Wurst mit dem Baguette zu verzehren. Jetzt fehlt nur noch ein Gläschen Rotwein aber während der Tour gibt es nur Wasser. Wasser kommt mittlerweile auch in Unmengen vom Himmel. Es schüttet wie aus Eimern. Der Gulli läuft bereits über und das Motorrad steht schon in einer riesigen Pfütze. Jetzt erst registrieren wir wie gut unser Timing war, wir sitzen im Trockenen und sehen dem Gewitter zu. Nachdem der Regen etwas nachläßt ziehen wir weiter. Leichte Regenschauer begleiten uns bis Corte, hier ist plötzlich wieder blauer Himmel über uns. Da es noch früher Nachmittag ist nutzen wir die Zeit um die Restonica-Schlucht zu erkunden. Dieser Abstecher lohnt sich wirklich, bereits die Fahrt in die Schlucht ist eine Wucht. Am Ende der Schlucht ist es extrem kalt und windig, so fällt es uns nicht schwer kurze Zeit später schon wieder die schmale Straße aus der Schlucht in Richtung Corte zu fahren. Die Aussicht auf die Zitadelle von Corte, die wie ein Adlernest auf einem Felsen thront ist großartig. Nun können wir glücklich nach Venaco zurückkehren.