Harz

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Harzhaft frischer Fahrgenuss

Nach Clausthal fahren die Biker nicht immer, aber immer öfter, das ist gewiss. Denn der Harz hat genau das, was die kurvensüchtigen und damit wahrlich nicht verwöhnten Norddeutschen Motorradfahrer brauchen: frische Bergluft, aufregende Weitsicht, gut ausgebaute Strassen und vor allem Kurven, Kurven und nochmals Kurven. Zwischen Fachwerk und Bergwerk kann man also immer wieder sein Fahrwerk testen.

Ausserdem hat der Harz werbewörtlich gutes Bier, im Zweifel auch herb alkoholfrei oder das mit dem Auerhahn, auch wenn die berühmten Harzer Biermarken längst andernorts in Deuschlands Grossbrauereien "hergestellt" werden. Den Auerhahn aber, den gibt es tatsächlich in dieser Landschaft, die alle Alternativen zwischen sich selbst überlassener Natur im Nationalpark mit Hochmooren, forstlicher Wirtschaft in Staats- und Gemeindewäldern mit wildromantischen Tälern und Talsperren oder gepflegten Parks in den Kurorten bietet. Es ist gar nicht weit bis in den Harz, 120 km sind es von Hannover aus, nicht mal 250 km von Berlin oder Bremen. Von Dresden und Hamburg bleibt mit 270 km die Anfahrt immer noch nur eine Tagesreise. Wir nehmen die kurze Anreise aus Ostwestfalen noch am Freitagabend unter die Räder, um nach zügiger Fahrt über Seesen unseren Zielort Wildemann zu erreichen. Weil wir preiswert wohnen wollen, haben wir uns für DM 35,- pro Person incl. Frühstück das "Haus Sonnenglanz" ausgesucht.

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Zimmer mit WC/Dusche und Balkon. Eine gute Wahl - das hebt die Wochenendstimmung. Am Samstag nun wollen wir den Harz erobern. Das geht in ein oder zwei Tagen ohne Probleme, denn seine Ost-West-Ausdehnung beträgt gerade mal 100 km, die Nord-Süd-Linie nur 40 km. Aber der Harz hat es ganz schön in sich, denn während wir immer wieder einmal einem Taleinschnitt folgend auf unter 300 Meter über NN hinabfahren, erhebt sich gleichzeitig der höchste Berg, der Brocken, bis auf 1.142 Meter. Der Höhenunterschied will über Kehren und Kurven immer wieder neu bewältigt werden. Dabei wechseln die Farben der Landschaft vom weichen Grün der Buchen und anderer Laubhölzer in den Tieflagen über hartes Blaugrün der Fichtenwälder bis zum saftigen Grasgrün der Hochwiesen. Das mit dünnem Gras oder Heide überwachsene Grau alter Halden steht bizarr im Gegensatz zum Tiefblau der neun Stauseen und über 100 Bergseen. Erste Station ist für uns Clausthal-Zellerfeld. Unübersehbar die "Marktkirche zum heiligen Geist". Sie ist die größte Holzkirche Mitteleuropas, aus Fichten- und Eichenholz 1642 in barockem Stil gebaut. Wer Muße findet, bewundert im Inneren Kanzel, Taufgruppe und Altar. Sehr fotogen gleich neben der Kirche ist der riesige, 4,50m hohe und 8,00m. breite Schwibbogen. Abgebildet sind Bergleute, Kulturfrauen und Kuhhirten als Traditionsberufe, Dozenten und Studenten der Technischen Universität stehen für die aktuellen Berufsgruppen, die das Ortsgeschehen beeinflussen. Natürlich gehört zu Clausthal-Zellerfeld auch das Oberharzer Bergwerkmuseum. Man kann hier, wie aber auch an vielen anderen Orten des Harzes, in alte Stollen einfahren. Nächste Station soll St. Andreasberg sein.

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Auf der flüssig geführten und durchaus zum zu schnellen fahren verleitenden Strasse heisst ein Schild uns im Nationalpark willkommen. Wem der Sinn nach Informationen zum Nationalparkprojekt steht, bekommt Antworten zur Botanik, der Tierwelt und geographischen Gesichtspunkten im Nationalparkhaus in St. Andreasberg. Wer einmal eine Strasse mit 18% Steigung bzw. Gefälle befahren möchte, der sollte unbedingt durch die Ortsmitte fahren, irgendwie ist das krass. Eine landschaftlich sehr schöne, kurvenreiche, dennoch nur verhalten zu befahrende Strasse kann man durch das Siebertal nehmen. Ich wähle den Weg über Silberhütte nach Bad Lauterberg und von dort über Bad Sachsa nach Walkenried. Der Gebirgscharakter ist einer offenen, anmutigen Hügellandschaft gewichen. Walkenried ist durch sein Zisterzienserkloster bekannt. Es war die erste Niederlassung in Nord- und Mitteldeutschland dieses Ordens im Jahre 1192 und gehörte zu den bedeutendsten und mächtigsten Klöstern des Mittelalters. Der erste romanische Bau wurde 80 Jahre später durch einen gotischen Monumentalbau ersetzt. 1525 begann im Zuge der Bauernkriege der Niedergang des Klosters bis zur Bedeutungslosigkeit. Über Wieda geht es wieder hinauf in den Süd-Harz.