Weltreise: Von Deutschland nach Fernost

Weltreise: Von Deutschland nach Fernost


47.000 km mit einer umgebauten Honda Transalp

47.000 Kilometer legte Dietmar Obert in einem Jahr auf der Sitzbank seiner umgebauten Honda Transalp zurück. Sein kühnes Vorhaben führte ihn gesäumt von abenteuerlichen Geschichten bis nach Asien.

Herzliche Gastfreundschaft

Am 11. April 2001 beginnt meine Reise. Um so schnell wie möglich dem schmuddeligen Aprilwetter zu entkommen, beschließe ich Venedig anzusteuern. Eine fast leere Fähre bringt mich in nur 24 Stunden nach Igonomenitsa, einen Hafen im Norden Griechenlands nahe Albanien. In Griechenland begegnen mir die Menschen mit einer herzlichen Gastfreundschaft. Oft werde ich spontan zum Essen oder auf einen Kaffee eingeladen. Die Griechen erzählen voll Stolz von Ihrem Land und dessen Geschichte, von der EU und den Problemen mit all den Zuwanderern. Schnee, Regen und Sonnenschein wechseln sich ab, im Norden sind die Straßen teils unbefestigt und schlammig.

Nahost

Ende April ereiche ich die Türkischen Grenze. In Istanbul besorge ich Visa für Iran und Pakistan. Als ich über eine der großen Autobahnbrücken den Bosporus überquere, liegt Europa hinter mir, mein vorläufiges Ziel heißt jetzt Osttürkei. Die gut ausgebauten Straßen winden sich durch steinige Berglandschaften und vorbei an riesigen Kornfeldern. Ständig kontrolliert schwer bewaffnetes Militär die Straßen in den Kurdengebieten. Eines Abends warnt mich eine kurdischen Familie vor dem Zelten: Es sei zu gefährlich. Ich werde gastfreundlich aufgenommen. Der Vater der mit zwei Frauen insgesamt 15 Kinder haben soll, klagt über korrupte Politiker, die sich nur selbst bereichern. Er hofft, dass die Türkei bald Mitglied der EU wird. Ich fahre weiter über schneebedeckte Berge, vorbei am 5.137 Meter hohen Ararat, dem höchsten türkischen Berg, bis zum armenischen Grenzgebiet.

In Dogubayazit, der letzten Stadt vor dem Iran, habe ich bereits 8.000 Kilometer zurückgelegt. An meiner Honda ist eine kleine Inspektion fällig. Bei der Überquerung der Iranischen Grenze mache ich einen Zeitsprung, nach persischer Zeitrechnung befinde ich mich im Jahr 1380. Unübersehbar ist die tiefe Islamische Religiosität, die Frauen sind ganz in schwarz verschleiert, so das man nur Gesicht und Hände sehen kann. Alkohol ist Tabu- gelegentlich wird hinter vorgehaltener Hand Wodka angeboten - ich lehne ab. Eine Woche verbringe ich bei einem Englischlehrer und seiner Familie, werde mit Land und Leuten und vor allem mit dem tief verwurzelten Islam vertraut gemacht. Man hofft hier auf einen politischen Umschwung und einer Abkehr von der Isolation zu anderen Staaten. In Großstädten wird man von jungen Frauen gefragt, was man in Europa von der Mann Frau-Beziehung im Iran hält, öfter werde ich leider mit "Heil Hitler" begrüßt.

Die Entfernungen zwischen den einzelnen Städten sind riesig, die Landschaft wirkt dabei eintönig. Bei einem Stopp abseits der Transitstrecke strömen aus allen Ecken Leute herbei, um meine 650er Transalp zu sehen. Hierzulande sind nur Motorräder bis 200 Kubik erlaubt. Während es am westlichen Teil des Kaspischen Meeres noch relativ angenehm war, wird es Richtung Südosten heiß. Um die Mittagszeit flimmert die Luft, das Thermometer steht auf mehr als 40 Grad. Sonne, Sand und Straße sind gleißend hell, die Mittagsmüdigkeit dämpft zusätzlich das Wahrnehmungsvermögen. Ich versuche nur noch früh morgens zu fahren. In Bam, der letzten großen Wüstenstadt vor der pakistanischen Grenze mache raste ich ein paar Tage. Um 4 Uhr morgens starte ich zu den letzten 450 Kilometern bis Pakistan. An diesem Tag verbrauche ich acht Liter Wasser.

Auf pakistanischer Seite angekommen scheine ich wieder, um mindestens ein Jahrhundert in die Vergangenheit katapultiert worden zu sein. Es ist laut, der Verkehr chaotisch. Pferdekutschen, Zweitaktrikschas, fliegenden Händler und uralte verzierte Busse bestimmen das Straßenbild. Essen wird auf der Straße zubereitet, Geschirr gewaschen und Felle gegerbt. Der Himalaja soll mein Ziel sein. Schon in den Hotels um Quetta und Peschawar hingen Landschaftsbilder von Nordpakistan. Der 1.300 Kilometer Karakorum-Highway zwischen Islamabad der Hauptstadt Pakistans, und Kastigar, einer Handelsmetropole in China, wird mich hinbringen. Zeitweise arbeiteten mehr als 25.000 Menschen an dieser Straße, in Pakistan wird sie als "achtes Weltwunder" bezeichnet. In Nordpakistan sehe ich die weltweit dichteste Konzentration von über 7.000 Meter hohen Gipfeln. Eine Rast zum Teetrinken mit Blick auf den 8.126 Meter hohen Nanga Prabat als Kulisse im Hintergrund ist Pflichtprogramm. Ich fahre langsam und genieße jeden Kilometer. Schilder am Straßenrand zeigen, dass man sich auf der alten Seidenstraße befindet.

Grenze Indien

Ende Juli stehe ich mit meinem Motorrad vor der Grenze Indiens: Seit ich von Fernreisen träume, löst das Wort Indien Sehnsüchte bei mir aus. Schon wenige Meter nach der Grenze sieht man farbig gekleidete, lachende Frauen auf den Straßen - ein Zustand, der in den meisten Teilen von Pakistan geradezu unmöglich war. Doch 40 °C und 85 % Luftfeuchtigkeit belasten mich stark. Auch die indischen Verkehrsregeln sind gewöhnungsbedürftig: Das größte und schwerste Fahrzeug mit der lautesten Hupe hat Vorfahrt. Eine gute Verbindungsstraße führt mich nach Ladakh. Hier ist das Leben vom Buddhismus geprägt. In diesem Teil des Himalayagürtels überquere ich den angeblich höchsten befahrbaren Pass der Welt. Meine Honda holpert mit Atmungsproblemen, aber trotzdem tapfer kämpfend auf 5.600 Höhenmeter. In einer alten Hippiestadt finde ich deutsche Bäckereien und gutes tibetanisches Essen. Die letzten Kilometer vor der nepalesischen Grenze zeigen ein völlig neues Landschaftsbild. Bergige Wälder und tiefgrüne Reisfelder bestimmen hier das Landschaftsbild. Englisch sprechende Sadhus berichten von ihrem Leben, das einen Anspruch auf Besitztum ablehnt. Auf einer spirituellen Suche im ständigen Cannabisrausch ziehen sie durch Indien und Nepal